Das Kniegelenk

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. In unserem Alltag unterliegt es ständiger Belastung. Verletzungen, Fehlstellungen und Überlastungen können auch in jungen Jahren schon zu Erkrankungen führen, die einer operativen Behandlung bedürfen.

(Sport-)Verletzungen des Kniegelenks

Typische (Sport-)Verletzungen des Kniegelenks sind u.a.

Kreuzbandriss
Meniskusriss
Knorpelverletzungen
Verletzungen der Seitenbänder
Ausrenken der Kniescheibe, Verletzung des Halteapparats (MPFL)
Osteochondrosis dissecans

Im Rahmen unserer Sprechstunde können wir Sie kurzfristig untersuchen und mit Ihnen die Möglichkeiten der weiteren Therapie besprechen.

Viele Operationen am Kniegelenk können mittlerweile als minimalinvasiver Eingriff im Rahmen einer Kniegelenkspiegelung erfolgen (Schlüssellochtechnik). Dies kann meist ambulant oder kurzstationär erfolgen.

Knorpelschäden des Kniegelenks

Mikrofrakturierung

Diese Technik kann bei kleineren Knorpelschäden des Kniegelenks angewandt werden. Hierbei wird der Knochen im Bereich des Knorpelschadens mit Hilfe eines Drahtes oder einer Ahle perforiert. Hierdurch wird eine Blutung des Knochens gesetzt (knochenmarkstimulierende Technik). Im austretenden Blut sind neben den roten Blutkörperchen sog. Stammzellen und Wachstumsfaktoren enthalten, welche die Bildung eines Reparaturknorpels (Knorpelnarbe) ermöglichen. Diese Technik kann im Rahmen einer Arthroskopie des Kniegelenks erfolgen.

AMIC (Autologe Matrixinduzierte Chondrogenese)

Diese Technik ist auch für größere Knorpelschäden (bis zu 6-8 cm²) geeignet. Die AMIC (autologe matrixinduzierte Chondrogenese) baut auf der Mikrofrakturierung auf. Nach Stabilisierung der Knorpelränder des Defektes und der Perforation des Knochens wird eine spezielle Matrix aus Kollagenfasern (sog. Knorpelvliess) passgenau über dem Knorpeldefekt befestigt. Die durch die Mikrofrakturierung freigesetzten Stammzellen sammeln sich nun an der Matrix. Dort erfolgt im Rahmen einer sog. Differenzierung die Ausbildung von neuen Knorpelzellen. Für diese Technik muss das Kniegelenk über einen kleinen Schnitt eröffnet werden (mini-open-Technik).

Minced cartilage (AutoCart™ – All Autologous Cartilage Regeneration)

Bei dieser Technik handelt es sich um eine moderne Form einer einzeitigen autologen Knorpelzelltransplantation. Während der OP wird aus dem Randbereich des Knorpelschadens eigener gesunder Knorpel gewonnen. Dieser wird in kleinste Stückchen zerschnitten (to mince = zerkleinern (engl.)). Zusammen mit einem Gewebekleber werden die Knorpelstückchen dann in den Knorpeldefekt transplantiert. Durch das Zerkleinern werden Knorpelzellen freigesetzt, welche dann über diverse Zwischenschritte zur Ausbildung neuen Knorpelgewebes im Defekt führen.

Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose)

Das Kniegelenk ist nach der Hüfte das am zweithäufigsten von der Arthrose betroffene Gelenk. Leitsymptome der Gonarthrose sind Schmerzen und Funktionsverlust, in einigen Fällen auch Instabilität des Gelenks. Typisch ist hier der sog. Anlaufschmerz. Im fortgeschrittenen Stadium treten auch Nacht-, bzw. Ruheschmerzen auf. Zudem lässt die Streckfähigkeit nach. All dies wird im Rahmen einer ausführlichen Anamnese und der klinischen Untersuchung erhoben. Zusätzlich erfolgt eine Röntgenuntersuchung. Diese zeigt den Schweregrad der Arthrose. Zudem lassen sich mit Spezialaufnahmen Fehlstellungen des Gelenks bestimmen.

Der Verschleiß des Kniegelenks wird häufig durch eine Fehlstellung der Beine begünstigt (sog. O-Bein). Schon im mittleren Alter kann sich eine durch die Fehlstellung begünstigte Arthrose bemerkbar machen.

Bei verschleißbedingten Beschwerden des Kniegelenks gibt es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten ohne Operation. Diese sog. konservative Therapie zielt darauf ab, die Funktion des Gelenks zu verbessern und die Schmerzen zu lindern. Zu diesen Optionen zählen u.a. Krankengymnastik, Injektion von Hyaluronsäure, Einlagenversorgung, Akupunktur u.ä.

Gelenkerhaltende Operation

Bei noch geringer Ausprägung des Verschleißes und entsprechender Gelenkfehlstellung kann durch sog. Umstellungsoperationen die mechanische Belastung des Gelenks verringert werden und so das Voranschreiten des Verschleißes verlangsamt werden.

Die Korrektur einer Fehlstellung erfolgt je nach individueller Analyse, aus der sich ergibt, wo und an welchem Knochen korrigiert werden muss. Die O-Bein-Umstellung erfolgt in der Regel am Schienbeinkopf, die X-Bein-Umstellung am Oberschenkel.

Häufig treten Arthrose und verschleißbedingte Meniskusschäden zusammen auf. In einigen Fällen kann es Sinn machen auch bei einem nachgewiesenen Verschleiß eine Operation am Meniskus durchzuführen.

Das künstliche Kniegelenk

Bei höhergradigem Verschleiß und Beschwerden, die durch eine konservative Therapie nicht weiter gelindert werden konnten ist ggf. die Implantation eines künstlichen Kniegelenks zu erwägen. Je nach Lokalisation und Ausprägung des Verschleißes stehen unterschiedliche OP-Techniken und Implantate zur Verfügung.

In einigen Fällen ist nur der innere Gelenkspalt durch die Arthrose befallen, der äußere Gelenkspalt und die Kniescheibe noch in Ordnung. Bei diesen Patienten kann im Rahmen eines weniger invasiven Eingriffs eine sog. „Schlittenprothese“ auf der Innenseite des Kniegelenks eingesetzt werden. Auch in Sonderfällen wie der isolierten Arthrose der Kniescheibe, bzw. des Kniescheibenlagers kann den Patienten durch die Implantation eines speziellen Teilersatzes geholfen werden.

In einer Mehrzahl der Fälle ist jedoch das gesamte Kniegelenk betroffen. In diesen Fällen erfolgt die Implantation eines sog. bikondylären Oberflächenersatzes (Kniegelenkstotalendoprothese), wahlweise mit Ersatz der Kniescheibenrückfläche.

Für die genaue und sichere Implantation dieser Knieprothesen steht den Operateuren der Abteilung Orthopädie und Spezielle Orthopädische Chirurgie des Marienhospital Osnabrück Standort Natruper Holz modernste Technik zur Verfügung. Seit Januar 2019 wird Robotertechnik genutzt um noch bessere OP Ergebnisse zu erreichen. Ziel ist es, eine höhere Patientenzufriedenheit, weniger Komplikationen und Schmerzen sowie eine schnellere Mobilisierung zu erreichen. Die Patienten werden noch am Tag der Operation unter physiotherapeutischer Anleitung mobilisiert.

Wechseloperation (sog. Revisionsendoprothetik)

Verschiedene Umstände können dazu führen, dass eine Kniegelenksprothese nach der Implantation nicht funktioniert wie gewünscht.

Zum einen kann dies durch Verschleiß von Prothesenteilen hervorgerufen werden, in anderen Fällen führen Komplikationen wie Infektion durch Bakterien, Knochenbrüche oder Lockerungen zum Versagen des Implantats. Des Weiteren kann eine fehlerhafte Implantation in einer schlechten Gelenkfunktion münden.

Wenn bei Ihnen ausgeprägte, anhaltende Beschwerden nach der Implantation einer Knieprothese vorliegen, werden wir dies gerne im Rahmen unserer Sprechstunde abklären.

Falls bei Ihnen eine Wechseloperation erfolgen muss, sind Sie bei uns in guten Händen. Wechseloperationen stellen einen Schwerpunkt der Klinik für Orthopädie und spezielle orthopädische Chirurgie dar. Bei uns ist neben operativer Erfahrung und einem breiten Portfolio an sog. Revisions-Implantaten auch eine interdisziplinäre Behandlung auf Station gewährleistet. Wir arbeiten eng mit Intensivmedizinern, Schmerztherapeuten, Mikrobiologen und Pharmakologen zusammen, um für die Betroffenen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Roboterassistierte Knieprothesenimplantation

Die Implantation eines sog. Oberflächenersatzes am Kniegelenk (sog. Knie-TEP) gehört zu den häufigsten Eingriffen in der Orthopädie. Deutschlandweit werden im Jahr ca. 150.000 von diesen Operationen durchgeführt. Auch wenn diese Operation somit als Routineeingriff zählt, sind die Ergebnisse für viele Patienten noch nicht zufriedenstellend. Laut Studienlage beklagen 10-20% der Patienten mit einer Knieprothese weiterhin ausgeprägte Beschwerden, obwohl weder Komplikationen im Rahmen der Behandlung aufgetreten sind, noch radiologisch ein fehlerhafter Einbau der Prothese nachweisbar ist.

Mit diesen Ergebnissen können wir als Operateure nicht zufrieden sein. Mit der Einführung der roboterassistierten Implantation wollen wir die Knieendoprothetik nun in eine neue Entwicklungsstufe führen.

Für Sie als Patienten bedeutet dies:

  • Ein OP-Verfahren, welches sich an Ihre individuelle Anatomie anpasst
  • Weniger Schmerzen nach der OP
  • Eine schnellere Rehabilitation

Wie funktioniert das?

Der Zugang zum Kniegelenk wird zunächst durch den Operateur geschaffen. Mittels Sonde und Kamera wird die Achse des Beins bestimmt und die Oberfläche ihres Kniegelenks abgefahren. Nun können Fehlstellungen des Gelenks und Instabilitäten der Bänder zunächst exakt gemessen erfasst werden. Auf diese Art wird ein virtuelles Modell ihres Kniegelenks erstellt. Die Prothese wird nun am Modell virtuell so positioniert, dass eine harmonische Bandstabilität und eine korrigierte Beinachse bestehen. Wenn der Operateur mit dem virtuellen Ergebnis zufrieden ist, kommt eine robotergestützte Fräse zum Einsatz. Hiermit kann die Planung jetzt in die Realität überführt werden.

Der Operateur führt die Fräse und kann den Knochen millimetergenau für die Prothese vorbereiten. Es wird nur soviel Knochen entfernt wie unbedingt nötig um die Prothese exakt positionieren zu können. Die Fräse erkennt auch die Knochengrenzen und erlaubt keine Abweichungen. Hierdurch werden die umgebenden Weichteile geschützt. Vor endgültigem Einbau der Originalprothese werden Probeimplantate eingebracht und die korrekte Ausführung der Operation mittels Kamera kontrolliert. Bei einwandfreier Funktion kann nun die Originalprothese einzementiert werden.

Die Robotertechnik stellt eine große Hilfe für den Operateur dar. Der Operateur hat jedoch zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle über das OP-Geschehen. Wir freuen uns, mit dem Navio-Roboter eine innovative Hilfe im OP zu haben, dies es uns erlaubt, eine Knieprothese noch exakter und passender zu implantieren und Ihnen auf diese Weise schneller wieder in Ihren gewohnten Alltag zu helfen. 

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