Leistungsspektrum der Klinik für Gefäßchirurgie

Diagnostik

Labortests

Bei der ersten Diagnosestellung eines arteriellen Gefäßleidens werden vor allem die Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Nierenerkrankungen mit Hilfe verschiedener Labortest untersucht. Auch krankhafte Veränderungen der Blutgerinnung können so untersucht werden. 

Dopplerdruckmessung: Knöcheldruck, Knöchelarmindex (ABI)

Es wird zunächst der Blutdruck an beiden Oberarmen und an beiden Unterschenkeln gemessen. Da normalerweise der Knöchelarteriendruck 10 mmHg höher ist als der Oberarmdruck, lässt sich ein normaler Dopplerindex von Knöcheldruck/Oberarmdruck von größer als 1 errechnen. Je weiter der Dopplerindex bei einem Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit unter 1 liegt, umso schwerer sind die Durchblutungsstörungen.

Laufbanduntersuchung

Die Laufbanduntersuchung unter standardisierten Bedingungen wird zur genauen Gehstreckenbestimmung bei Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit der Beine durchgeführt, um die Schwere der Erkrankung und somit auch die therapeutischen Optionen genau definieren zu können.

Funktionelle Venendiagnostik

Bei Patienten mit Krampfadern oder chronisch venöser Insuffizienz lässt sich mit Hilfe eines speziellen Gerätes die Funktion der Venenklappen messen (Licht-Reflexions-Rheographie). Diese Untersuchung ist für den Patienten weder belastend noch schmerzhaft.

Duplexsonographie

Die Duplexsonographie ist bei der Untersuchung von Gefäßkrankheiten unerlässlich, sie wird heute als Farbduplexsonographie durchgeführt. Sie ermöglicht die genaue Darstellung des Ortes von möglichen Durchblutungsstörungen und lässt auch typische Veränderungen im Strömungsverhalten erkennen. Venenthrombosen können ebenfalls mit dieser Methode, die für den Patienten nicht belastend oder schmerzhaft ist, festgestellt werden. Sie wird in unseren Sprechstunden und auch zur Kontrolle eines möglichen Operations- und Dilatationserfolges durchgeführt.

Kernspintomographie der Gefäße

Die Kernspintomographie (auch Magnetresonanztherapie, MR oder MRT) ermöglicht eine Gefäßdarstellung ohne Röntgenstrahlenbelastung. Dieses Untersuchungsverfahren stellt Gefäße im Körper dar, ohne einen arteriellen Katheter zu verwenden.

Computertomographie (CT)

Das CT ist ein spezielles Röntgenverfahren, das Ende der 70er Jahre in die Diagnostik eingeführt wurde. Computergestützt werden die durch die unterschiedliche Absorption der Röntgenstrahlen im Körper gewonnen Bilder in Schnittbilder umgerechnet, so daß man anatomisch korrekte Schichtbilder durch die untersuchte Körperregion erhält. Insbesondere zur Diagnostik des Aortenaneurysmas hat das CT einen hohen diagnostischen Stellenwert. Auch zur genaueren Beurteilung von Durchblutungsstörungen kommt diese Methode häufig zum Einsatz. 

 

 

Therapie

Therapie von Krampfadern

Krampfadern sind ein Volksleiden. Sie gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in Deutschland. Die Ursache für die Bildung von Krampfadern liegt häufig in defekten Venenklappen. Diese Venenklappen lassen die die Strömung des Blutes nur in Richtung des Herzens zu. Denn sonst würde die Schwerkraft das Blut in die Beine treiben. Wenn die Klappen defekt sind oder es zu einer Erweiterung der Venen kommt, können die Klappen nicht mehr dicht schließen und ihre Ventilfunktion erfüllen, so dass das Blut nur noch verzögert vorankommt oder aber in die falsche Richtung fließt. Es staut sich viel Blut in den Venen, die sich dadurch noch mehr erweitern. Diese gestauten Venen werden als Krampfadern im Bereich des Beines sichtbar. Vor einer Entfernung von Krampfadern wird eine Farbultraschalluntersuchung durchgeführt, um die stadiengerechte Operation exakt planen zu können. Es wird die defekte Krampfader unter der Haut mit einer Sonde herausgezogen. Über kleine Inzisionen werden veränderte Seitenäste ebenfalls entfernt. Die Klinik ist auch spezialisiert für die Verödung kleinerer Krampfadern oder Besenreiser. Krampfaderoperationen können in der Regel ambulant durchgeführt werden.

Therapie von Verengungen der Halsschlagader

Menschen mit geringen Verengungen der Halsschlagadern haben in aller Regel keine Symptome, selbst der komplette Verschluß einer Halsschlagader kann symptomlos bleiben, da sich das Gehirn an den geringen Blutfluß anpaßt und die Halsschlagader der Gegenseite und die Schlagadern des Nackens ausgleichend mehr Blut zum Gehirn transportieren.

Lösen sich jedoch kleine Teile der Ablagerungen in den Halsschlagadern und verstopfen die Gefäße im Gehirn, kann es zu einem vorübergehenden Ausfall von Gehirnfunktionen oder zum Schlaganfall mit bleibenden Schäden kommen.

Ziel der Therapie ist die Entfernung der Ablagerungen in der Halsschlagader und somit die Entfernung der Engstelle. In unserer Klinik werden jährlich über 150 Operationen an der Halsschlagader durchgeführt. Es wird ein schräger, kosmetisch kaum störender Schnitt an der Seite des Halses gemacht, um Zugang zur Halsschlagader zu bekommen. Die Halsschlagader wird vorübergehend abgeklemmt. Nun kann die Halsschlagader eröffnet und die Ablagerungen entfernt werden. Das Blutgefäß wird dann durch einen erweiternden Patch wieder verschlossen. Die Haut wird durch selbstauflösende Fäden verschlossen. Ein kleiner Plastikschlauch verbleibt gelegentlich kurzfristig in der Wunde, um die Entstehung eines Blutergusses zu verhindern. In speziellen Fällen kann auch die Aufweitung der Engstelle mit einem Ballonkatheter und einem Stent eine gute Alternative sein. Diese Technik wird ebenfalls angeboten. 

Unsere Klinik beteiligt sich an der Qualitätssicherung Carotischirurgie der Projektgeschäftsstelle Qualitätssicherung in Hannover, die Komplikationsraten finden sie bei den Patienteninfos auf unserer Webseite. 

Therapie von Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen können in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Kritisch wird es, wenn Beinschmerzen bereits in Ruhe auftreten oder es zu offenen Stellen am Fuß kommt. Die ersten Symptome sind meist Wadenschmerzen beim Laufen (Schaufensterkrankheit). Neben der Korrektur von Risikofaktoren (z.B. hohe Blutfette, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen) können diese Durchblutungsstörungen heutzutage sehr häufig minimalinvasiv ohne Vollnarkose durch die Aufdehnung der Schlagadern durch einen Ballon mit oder ohne Stents behandelt werden, in gelegentlichen Fällen ist eine Bypassanlage erforderlich. Diese Entscheidungen werden interdisziplinär mit der interventionellen Radiologie je nach Lokalisation und Ausdehnung der Gefäßeinengung oder des Gefäßverschlusses individuell getroffen. In unserem zertifizierten Zentrum für Gefäßmedizin finden täglich Besprechungen statt, in denen die beste Therapiemöglichkeit individuell für jeden Patienten gemeinsam mit den Kollegen der interventionellen Radiologie besprochen werden. Durch den Einsatz hochmoderner Katheter- und Stentverfahren können immer mehr Patienten ohne größere Operation behandelt werden. 

Diese Eingriffe werden stationär durchgeführt, wobei der Aufenthalt bei einer Katheterbehandlung in aller Regel 2 - 4 Tage dauert. Nach Bypassanlage dauert der Aufenthalt je nach Wundheilung ca. 7-14 Tage. Es ist je nach Bypassart die lebenslange Einnahme eines blutverdünnenden Medikamentes erforderlich. Zudem sollte das Gefäßsystem regelmäßig nachkontrolliert werden. 

Therapie des Aortenaneurysmas

Unter einem Aneurysma versteht man die Aussackung einer Schlagader. Häufig ist die Hauptschlagader (Aorta) betroffen. Kleinere Aneurysmen müssen in regelmäßigen Abständen mit Ultraschall überwacht werden. Bei Größenzunahme erfolgen weiterführende Untersuchungen (CT) und ggf. die Operation. Es können je nach Befund unterschiedliche operative Maßnahmen durchgeführt werden.

Bei der immer seltener notwendigen konventionellen offenen Operation erfolgt die Eröffnung des Bauches in der Mittellinie. Oberhalb und unterhalb der Arterienerweiterung wird das Blutgefäß nach der Freilegung abgeklemmt, längs geöffnet und eine Gefäßprothese aus Kunststoff als Ersatz eingenäht. Je nach Ausdehnung des Aneurysmas muss eine sogenannte Rohr- oder eine Y-Prothese eingesetzt werden. Nach Freigabe des Blutstromes wird die ursprüngliche Arterienwand zum Schutz der umgebenden Organe um die Prothese gelegt.

Die Stent-Prothesen Einbringung über die Oberschenkelschlagadern mit kleinen Schnitten und neuerdings ganz ohne Schnitte in den Leisten ist bei vielen Patienten das Verfahren der Wahl. Dieses wird ebenfalls routinemäßig im Marienhospital mit modernsten Stentsystemen, auch bei komplexen Anatomien, durchgeführt Hier wird eine durch Draht verstärkte Prothese eingebracht, um das Aneurysma von innen zu schienen und auszuschalten. Der Eingriff ist schonender, weil der Bauchraum nicht eröffnet werden muss. Vor der Operationsentscheidung muss ein spezielles CT durchgeführt werden, um individuell für jeden Patienten den geeigneten Stent ausmessen und implantieren zu können. Typischerweise hat der Stent einen Hauptkörper für die Aorta und zwei Beinchen für die Beckenschlagadern. Man nennt solche Stentsysteme modulare Systeme. Die Stentlage und Funktion sollte nach der Operation regelmäßig durch Ultraschall- und CT-Untersuchungen kontrolliert werden.

Diagnostik und Therapie der Lymph- und Lipödeme

Bei einem Lymphödem handelt es sich um eine sicht- und tastbare Ansammlung eiweißreicher Flüssigkeit im Gewebe (genauer beschrieben im Interstitium (=Zwischenzellraum), hervorgerufen durch unterschiedliche Ursachen. Bei einem Lipödem, einer chronischen, meist fortschreitenden Erkrankung des Unterhautfettgewebes, können ebenfalls begleitend Ödeme auftreten.Patienten mit diesem Krankheitsbild gilt es, gezielt zu entstauen.Unsere Klinik bietet die Möglichkeit der professionellen Diagnostik und Therapiebegleitung von Ödempatienten. Hierzu wurde eine Lymphsprechstunde eingerichtet.

Für Patienten, die ambulant nicht ausreichend entstaut werden können, bietet unsere Klinik die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) auch stationär als bewährtes Therapiekonzept an. In diesem Rahmen werden alle Elemente der Behandlung optimal aufeinander abgestimmt. Das Angeot umfasst die Hautpflege, manuelle Lymphdrainage inklusive anschließender Bandagierung, Bewegungstherapie, Koordinationstraining, Ernährungsberatung, Atemtherapie und eine abschließende Kompressionsbestrumpfung zur Ergebnissicherung der Entstauungsphase. Unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse lassen sich durch diese Therapieform schon in recht kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse als Vorbereitung für die weitere ambulante Erhaltungstherapie erzielen.

Weitere Informationen finden Sie in der entsprechenden Informationsbroschüre.

Shunt

Zur Durchführung einer Hämodialyse (Blutwäsche) bei schlechter oder erloschener Nierenfunktion ist ein guter Zugang zum Gefäßsystem erforderlich. Dieser wird erreicht durch eine kleine Operation, bei der eine Armschlagader mit einer Armvene verbunden wird. Das hat zur Folge, dass die Vene dicker wird und ausreichend Blut führt. Die Operation kann in vielen Fällen ambulant und in Teilnarkose durchgeführt werden. Wenn die eigenen Venen am Arm zu schwach sind, ist auch die Verwendung einer Gefäßprothese, die unter der Haut liegt, möglich.

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