Weiterbildung

In der Klinik für Anästhesiologie des Marienhospitals Osnabrück ist die Möglichkeit zum Erwerb des Facharztes für Anästhesiologie und weiterer Zusatzqualifikationen gegeben. Zum Erwerb des Facharztes für Anästhesiologie wurde ein Curriculum erstellt, welches für Sie zum Anschauen bereitsteht.

 

Weiterbildungscurriculum der Klinik für Anästhesiologie am Marienhospital Osnabrück

1. Allgemeines:

Die Klinik für Anästhesiologie am Marienhospital Osnabrück führt in den operativen Abteilungen und zu diagnostischen Zwecken etwa 15.000 Narkosen pro Jahr durch. Neben dem „operativen Geschehen“ obliegt den Mitarbeitern der Klinik die Behandlung in dem perioperativen Prozess (Aufwachraum, IMC Station mit 7 Betten und eine Intensivstation mit 16 Betten). Während der 5-jährigen Weiterbildung werden umfassende theoretische und praktische Kenntnisse auf allen Teilgebieten des Faches Anästhesiologie vermittelt, um die Vorrausetzungen für die Erlangung der „Facharztreife“ zu erfüllen.

2. Ziele der Weiterbildung bis zur Beendigung des 2. Weiterbildungsjahres:

Die Kolleginnen und Kollegen sollen am Ende ihres 2. Weiterbildungsjahres alle gängigen Methoden der Allgemein- und in Teilen auch der Regionalanästhesie beherrschen und diese selbständig bei Patienten der ASA-Klassifikationen I und II durchführen können. Dieses gilt insbesondere für Operationen der Fachbereiche Allgemein-, Gefäß- und Unfallchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, HNO, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurochirurgie. Sie sind in der Lage, für die ihnen anvertrauten Patienten eine anästhesiologische Planung anhand der Vorbefunde, Vitaldaten und klinischen Untersuchung zu erstellen. Diese umfasst die Prämedikation mit Auswahl der Prämedikation und Weiterführung der patienteneigenen Medikation, die Narkoseführung als auch die postoperative Schmerztherapie. Um diesen Narkoseplan zu erstellen, sind fundierte Kenntnisse bei der Beurteilung von EKG, Röntgen und Lungenfunktionsuntersuchungen sowie Beurteilung der Blutgasanalyse und deren Interpretation erforderlich. Darüber hinaus sind Kenntnisse in der Pharmakologie anästhesierelevanter patienteneigener Medikation erforderlich. Es wird erwartet, dass die Kolleginnen und Kollegen alle Befunde (Rö-Befunde, kardiologische, spirometrische und weiterführende Untersuchungen) der ihnen anvertrauten Patienten kennen, sie diese in die Narkoseplanung mit übernehmen und das Vorgehen dementsprechend modifizieren können.
Neben der erworbenen Sicherheit in der Maskenbeatmung, Narkosen mit Larynxmasken und Intubationsnarkosen ist auch der klinikeigene Standard zum „difficult airway management“ bekannt und unter Assistenz eines Facharztes anwendbar. Darüber hinaus beherrschen die Kollegen die Anlage von invasiven Kathetertechniken (ZVK, Arterie) unter Aufsicht. Gängige regionalanästhesiologischen Verfahren zur oberen Extremität unter sonographischer Kontrolle wurden gezeigt und erfolgreich angewandt. Die Kolleginnen und Kollegen beherrschen die Anlage lumbaler Peridualkatheter zur Geburtserleichterung sowie die Spinalanästhesie zur elektiven Sectio. Kenntnisse im Bereich der prä-, intra- und postoperativen Anästhesiekomplikationen, die Besonderheiten des operativen Eingriffes, kardiopulmonale Reanimation und Schockbehandlung sowie die Initialversorgung von polytraumatisierten Patienten bis zum Eintreffen des Facharztes werden beherrscht. Thorakale Periduralkatheter werden unter Aufsicht eines Facharztes gelegt.
Innerhalb der ersten beiden Weiterbildungsjahre, in der Regel in der Mitte des 2. Weiterbildungsjahres, ist ein halbjähriger Aufenthalt auf der Intensivstation vorgesehen, der Einblicke in die intensivmedizinische Nachbetreuung von chirurgischen Patienten bietet. Nach Ende der Intensivzeit sind die Grundvoraussetzungen für den Einsatz auf den NEF gegeben.

Voraussetzung:

Um diese Ziele zu erreichen, sind profunde Kenntnisse sowohl im praktischen aber auch im theoretischen Bereich erforderlich. Dazu zählen Kenntnisse in topographischer Anatomie, der Physiologie und der Pathophysiologie der Lunge und des Gasaustausches, der Hämodynamik (Beurteilung von EKG’s, das Wissen um die Regulation der Herz-Kreislauffunktion), Kenntnisse der Nieren- und Leberfunktion, des Säure-Base- und Wasserhaushaltes, profunde Kenntnisse im Bereich der Transfusionsmedizin (Hämostaseologie, Transfusionstrigger, ABO-Inkompatibilitäten und Transfusionsrichtlinien nach den Vorgaben der Klinik und der Bundesärztekammer), Kenntnisse der Thrombozytenfunktion und der diese Funktion beeinträchtigenden Medikamente, sowie die Grundlagen der ROTEM-Analytik. Darüber hinaus sind die Regulation des Wärmehaushaltes und die Bedeutung für die postoperativen Komplikationen, Kenntnisse des zentralen, peripheren sowie autonomen Nervensystems und die Beurteilung der neuromuskulären Übertragung bekannt. Darüber hinaus sind detaillierte Kenntnisse über den Effekt der Anästhetika auf die Organsysteme vorhanden sowie die zur Verhütung von Komplikationen. Der Weiterbildungsassistent muss Kenntnisse über verschiedene Narkosesysteme und Beatmungsgeräte für Erwachsene als auch für Kinder nebst Fehlerfunktionen und Bedienungsproblemen haben. Er besitzt weitreichende Detailkenntnisse über alle Monitoring-Systeme des Hauses inklusive Narkosegeräte, Defibrillatoren und Spritzenpumpen.
Darüber hinaus bestehen Detailkenntnisse im Bereich der Pharmakologie, insbesondere der verwendeten Narkotika mit allen bekannten Haupt- und Nebenwirkungen, sowohl volatiler als auch intravenöser Anästhetika und Analgetika, Lokalanästhetika, Muskelrelaxantien. Auch Kenntnisse von der Wirkung unterschiedlicher Katecholamine und anderer hämodynamisch relevanter Medikamente, antiobstruktiver und perioperativer Einsatz anderer auf die Anästhesie Auswirkung habender Medikamente (wie z. B. Insuline, Kortikosteroide). Die Kenntnis der zur Verfügung stehenden Infusionslösungen (kristalline, kolloidale) mit ihren Wirkungen auf die Hämostase und auf den Volumenhaushalt sind bekannt sowie auch die zur Gerinnungstherapie verwandten Antifibrinolytika und Prokoagulatoren. In diesem Abschnitt werden auch die notwendigen Grundvoraussetzungen für den Einsatz auf dem NEF gelegt (Fachkundenachweis, halbjährige Tätigkeit in der Intensivmedizin und die strukturierten Einweisungsfahrten durch die Weiterbildungsberechtigten).

3. Ziele der Weiterbildung bis zur Beendigung des 4. Weiterbildungsjahres:

Das 3. und 4. Jahr der Weiterbildung dienen der Vertiefung der bisher erworbenen Kenntnisse und die Durchführung von schwierigen Anästhesien, insbesondere bei Patienten der ASA-Klassifikationen III und mehr. Zusätzlich werden Narkosen für die Versorgung von Patienten zu intracraniellen Eingriffen und bei Kleinstkindern unter fachärztlicher Aufsicht durchgeführt sowie die Notfallversorgung im Schockraum und bei Notfällen aller Art. Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung dieser Narkosen sind profunde theoretische und praktische Kenntnisse in den unten aufgeführten Bereichen erforderlich.

Gynäkologie und Geburtshilfe:

Kenntnis über physiologische, pathophysiologische sowie pharmakologische Veränderungen bei normaler und Risikoschwangerschaft, Kenntnis von geburtshilflichen Überwachungsmethoden und Wehentätigkeit sowie Kenntnis von geburtshilflichen Komplikationen und deren Therapie.
Katheterperiduralanästhesien zur Geburtserleichterung, Spinalanästhesien zu elektiven und eiligen Sectiones, sowie Not-Sectiones in Intubationsnarkose.

Gefäßchirurgie:

Detaillierte Kenntnisse über die pathophysiologischen Besonderheiten bei gefäßchirurgischen Operationen der Aorta, der Carotis, der Visceral- sowie der Extremitätengefäße insbesondere unter „cross clamping“. Durchführung dieser Eingriffe und Kenntnisse im Umgang mit transfusionsassoziierten Gerinnungsstörungen inkl. ROTEM-Interpretation, Kenntnisse in Hämostaseologie und Management von Massivtransfusionen.

Neonatalchirurgie:

Kenntnisse der Besonderheiten im Rahmen von Operationen bei Frühgeborenen, Säuglingen und Kleinkindern, die praktischen Kenntnisse wie Intubation und Beatmung sowie Anlage von Kaudalanästhesien. Kenntnisse in den physiologischen, pathophysiologischen und pharmakologischen Besonderheiten dieser Patientengruppe.

Regionalanästhesie:

Kenntnisse über die Pharmakologie der verwandten Lokalanästhetika sowie praktische Fähigkeiten bei der Anlage von allen gängigen Regionalanästhesieverfahren inklusive lumbaler und thorakaler Periduralanästhesien, Regionalanästhesien der oberen und unteren Extremität sowie der Carotis. Profunde Kenntnisse in der sonographisch, topographischen Anatomie und Kenntnis der ultraschallgesteuerten Punktionstechniken (inkl. ultraschallgesteuerte Anlage von ZVK).

Neurochirurgie:

Kenntnisse und Besonderheiten sowie Komplikationen von intracraniellen Eingriffen. Physiologische Kenntnisse des Hirndrucks und die Behandlungsmöglichkeiten pharmakologisch und operativ. Kenntnis im Umgang mit Schädel-Hirn-traumatisierten Patienten. Durchführung von fiberoptischen Intubationen bei HWS-Trauma.

Allgemeinchirurgie:

Kenntnisse in den Besonderheiten von Patienten, die sich größeren abdominalchirurgischen Eingriffen unterziehen, Kenntnis des operativen Procederes und präemptive Narkoseführung. Durchführung von Narkosen bei Rectumresektionen, Ösophagusresektionen mit Ein-Lungen-Beatmung unter Thorakotomie. Kenntnisse bei der Durchführung von Intubationen mit Doppellumentuben, Bronchoskopie zur Lagekontrolle, grundlegende physiologische und pathophysiologische Kenntnisse bei der Durchführung einer ILV.

Augenklinik:

Besonderheiten in der Durchführung von Anästhesien bei Patienten in der Augenklinik. Kenntnisse in der Behandlung geriatrischer multimorbider Patienten, Strabismusoperation bei Kindern.

HNO und Kieferchirurgie:

Kenntnisse der Besonderheiten bei diesen Patienten inklusive der Vertiefung des Managements des schwierigen Atemwegs mittels Fiberoptik.

4. Ziele der Weiterbildung bis zur Beendigung des 5. Weiterbildungsjahres:

Im 5. Weiterbildungsjahr ist eine erneute halbjährige Rotation auf die operative Intensivstation vorgesehen. Hier werden die bereits erworbenen intensivmedizinischen Kenntnisse zur Pathophysiologie und Physiologie schwerstkranker Patienten mit Sepsis und Organversagen vertieft. Kenntnisse und Behandlung der Organdysfunktionen und deren Ersatzsysteme bei Nierenversagen (CVVH, CVVHD, CVVHDF und deren Indikation bei Nierenfunktionsstörungen), des akuten Lungenversagens mit modifizierter Beatmungstherapie sowie Organunterstützungssysteme inklusiver extrakorporaler Membranoxygenierung (Indikation, Durchführung und Monitoring). Kenntnisse in der Behandlung von Sepsis, septischen Schock (Diagnostik, Antibiotikatherapie und resistenzgesteuerte Antibiotika). Beurteilung von hämodynamisch instabilen Patienten mittels klinischer Variablen sowie invasiven Maßnahmen wie pulmonalarterieller Katheter, transösophageale Echokardiographie. Weaning- und Sedierungsstrategien in der Intensivmedizin. Kenntnisse der schnell orientierenden Sonographie beim kritisch kranken Patienten.
In diesem Weiterbildungsabschnitt ist auch eine Rotation in die Herzchirurgie der Schüchtermann – Klinik geplant mit Erwerb von Kenntnissen zur Betreuung von Patienten an extrakorporaler Zirkulation für Herz-Thorax-Eingriffe. Kenntnisse und Besonderheiten in der Pathophysiologie von extrakorporalen Zirkulationen sowie profunde Kenntnisse mit kardiovaskulär wirksamen Medikamenten sind ebenso essentiell wie die Kenntnisse der Besonderheiten erworbener Klappenvitien, die Behandlung von kardialer Pumpschwäche, der pulmonalen Hypertonie und Umgang mit koronarinstabilen Patienten. In diesem Weiterbildungsabschnitt wird der Erwerb der Zusatzqualifizierung "Kinderanästhesie“ unterstützt.
In diesem letzten Abschnitt vor der Facharztprüfung wird sicher gestellt, dass alle erforderlichen Narkoseleistungen für den FA-Katalog vorhanden sind einschließlich der Anzahl fiberoptischer Intubationen.

5. Weiterbildungsgespräche:

Die jährlich stattfindenden Weiterbildungsgespräche werden mit dem Chefarzt der Klinik und dem für die Weiterbildung des Assistenzarztes verantwortlichen Oberarztes in Form einer dem Ausbildungsstand entsprechenden, simulierten „Mini-FA-Prüfung“ abgehalten. Grundvoraussetzungen sind die Dokumentation der bereits durchgeführten anästhesiologischen Maßnahmen sowie das theoretische Studium der für diesen Abschnitt erforderlichen Inhalte. Die Gespräche dienen dem Ziel, die Weiterbildungsinhalte und die Rotation in die einzelnen Fachabteilungen individuell anhand der Stärken und des Entwicklungsbedarfs anzupassen. 

6. Schmerztherapie:

Die Klinik für Anästhesiologie betreibt einen Akutschmerzdienst. Die Besonderheiten der postoperativen Schmerzentstehung, –behandlung und –messung sind bekannt und die Kolleginnen und Kollegen sind in der Lage, individuelle Schmerzregime zu initiieren. Dazu gehören Kenntnisse im Umgang mit peripheren und neuroaxialen Kathetertechniken, die pharmakologischen Wirkungen und Nebenwirkungen von Lokalanästhetika, peripherer und zentral wirkender Analgetika sowie deren Zusammenwirken.

Nach dem Erwerb der Gebietsbezeichnung können optional die Zusatzqualifikationen Intensivmedizin und Leitender Notarzt erworben werden. Unterstützt werden ferner je nach Ambition des Mitarbeiters die Weiterbildung zum Erwerb der DEGUM-Zertifikate, OP-Management und Ärztliches Qualitätsmanagement.

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