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Keine Abnehmspritze für Kinder
FHH - Franziskus-Hospital Harderberg

Georgsmarienhütte. Übergewicht, Adipositas und infolgedessen auch Typ-2-Diabetes nehmen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiter zu. “Ein früher Beginn bedeutet eine längere Krankheitsdauer, größere Belastungen und ein höheres Risiko für Komplikationen bereits im jungen Erwachsenenalter“, sagt Professor Dr. med. Karsten Müssig, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie am Franziskus-Hospital Harderberg der Niels-Stensen-Kliniken: „Nur mit verbindlichen, früh ansetzenden Präventionsmaßnahmen können wir diesen besorgniserregenden Trend wirksam aufhalten.”
Das sei eine bessere Option als der Einsatz von “Abnehmspritzen”. Liraglutid und Dulaglutid, die für Kinder mit Typ-2-Diabetes ab zehn Jahren zugelassen sind, werden oft mit der bekannten „Abnehmspritze“ gleichgesetzt. Dabei handele es sich jedoch in erster Linie um Medikamente zur Behandlung einer chronischen Stoffwechselerkrankung und nicht um Mittel zur bloßen Gewichtsreduktion – schon gar nicht aus kosmetischen Gründen.
Müssig plädiert für verbindliche, früh ansetzende Maßnahmen der Prävention. Er nennt wirksame Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel, eine stärkere Besteuerung von übergewichtssteigernden Lebensmitteln und verbindliche Standards für gesunde Schulverpflegung und Schulsport.
Eine ausgewogene Ernährung bleibe die Basis: „Sie verhindert Übergewicht, stabilisiert den Blutzucker, verbessert die Insulinwirkung und senkt den Medikamentenbedarf“, so Müssig. Kurz gesagt: weniger Zucker und Fast Food, mehr Gemüse, Vollkorn und gesunde Fette – am besten mit Familienunterstützung.
„Wir müssen herausfinden, welche Therapien für Jugendliche langfristig sicher und wirksam sind”, sagt Müssig. Solange dies nicht geklärt sei, bleibe die wichtigste Maßnahme: Prävention und Aufklärung, um die Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen.
