Ethisch verantwortetes Handeln auf christlicher Grundlage

Mit der humanmedizinischen Behandlung und Forschung sowie Pflege gehen Probleme und Konflikte einher, die einer Beratung und Beurteilung in ethischer und rechtlicher Hinsicht bedürfen. In den Niels-Stensen-Kliniken nehmen wir diese Fragen sehr ernst und unterstützen unsere Mitarbeitenden in ethischen Konfliktsituationen. Denn ethisch verantwortetes Handeln ist Teil des christlichen Anspruchs und ein wesentliches Merkmal aller Häuser im Verbund. Grundlage ist das christliche Menschenbild, Orientierung geben kirchliche Verlautbarungen und ethische Grundsätze.

Im Jahr 2005 haben die Niels-Stensen-Kliniken ein Ethikkomitee für den gesamten Verbund gegründet. Es ist ein Forum, in dem die Mitglieder des Komitees über ethische Fragestellungen im medizinischen und pflegerischen Bereich diskutieren. Dabei beraten sie weniger über exemplarische Situationen als vielmehr über grundsätzliche Fragestellungen wie Organtransplantationen, lebensverlängernde Maßnahmen und Umgang mit Wachkoma-Patienten. Auf der Ebene der einzelnen Einrichtung übernehmen Ethikgruppen einige der Aufgaben, die das Komitee für den Verbund hat. Gleichzeitig fungieren die Gruppen als Bindeglied zwischen den einzelnen Häusern und dem Ethikkomitee.

Konkrete Einzelfälle werden bei sogenannten ethischen Fallbesprechungen auf den Stationen beraten. Deren Themen und Konfliktfelder können wiederum in die Diskussionen der Ethikgruppen und des Ethikkomitees einfließen. Allerdings trifft keines der Gremien konkrete ethische Entscheidungen. Sie verfügen lediglich über beratende Befugnisse. Das letzte Wort in ethischen Fragen bei akuten Fällen hat immer der behandelnde Arzt.

Ethikkomitee

Das Ethikkomitee der Niels-Stensen-Kliniken

Die Niels-Stensen-Kliniken haben 2005 ein gemeinsames Ethikkomitee eingerichtet. Es setzt sich aus Mitgliedern verschiedener Fachabteilungen und Berufsgruppen zusammen, um ethische Fragen aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchten zu können. Das Ethikkomitee berät grundsätzliche Fragen. Anders als die Teilnehmer ethischer Fallbesprechungen in den einzelnen Einrichtungen spricht das Ethikkomitee keine kurzfristigen Empfehlungen zu konkreten Fällen aus. Vielmehr geht es um grundsätzliche Fragen und Empfehlungen zu häufig auftretenden Konfliktsituationen.

Ziel des Ethikkomitees ist es, alle in den Einrichtungen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei zu unterstützen, ethische und rechtliche Aspekte medizinischen Handelns und verantwortungsvoller Pflege besser beurteilen zu können und ethisches Handeln zu fördern. Es geht also insbesondere um die ethische Bildung des medizinischen und pflegerischen Personals sowie der Angehörigen und Patienten selbst.

Die Empfehlungen des Komitees werden den Mitarbeitenden ebenso wie den Krankenhausdirektorien und Geschäftsführungen zugänglich gemacht, damit sie in alle relevanten Entscheidungen einfließen. Hierzu dienen sowohl gedruckte Leitfäden als auch Informationsveranstaltungen für alle Mitarbeiter. Weicht jemand von den Empfehlungen ab, sollte er dies dem Komitee mitteilen und sein Vorgehen begründen.

Zudem unterstützt und initiiert das Ethikkomitee Fortbildungsveranstaltungen zu ethisch relevanten Themen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigt werden, sich mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen. Ebenso werden Patienten und Bewohner der Einrichtungen, ihre Angehörigen und Betreuer über den Umgang mit bestimmten ethischen Themen informiert.

Mitglieder des Ethikkomitess

Die Zusammensetzung des Ethikkomitees

Mitglieder des Ethikkomitees sind Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Mitglieder aus Theologie, Seelsorge, dem psychologischen Dienst, Ethik und Recht sowie der Geschäftsführung. Die 16 Mitglieder des Komitees sind in Abstimmung zwischen dem Aufsichtsrat und den Krankenhausdirektorien benannt worden.

Die Mitglieder

  • Vorsitzender: Justitiar Ludger Wiemker, Bischöfliches Generalvikariat Osnabrück
  • Ludger Aumüller, Pflegedienst, Franziskus-Hospital Harderberg
  • Dr. med. Jutta Bick, Ärztlicher Dienst, Franziskus-Hospital Harderberg
  • Marlies Herzog, Pflegedirektorin, Niels-Stensen-Kliniken Bramsche
  • Dipl. Psych. Ulrike Horstmann, Psychologische Psychotherapeutin, Magdalenen-Klinik
  • Irene Hüsers, Pflegedienst, Marienhospital Osnabrück 
  • Prof. Dr. Elmar Kos, Moraltheologe, Vechta/Osnabrück
  • Werner Lullmann, Geschäftsführer, Niels-Stensen-Kliniken 
  • Prof. Dr. med. Jörg Heckenkamp, Ärztlicher Direktor, Marienhospital Osnabrück
  • Prof. Dr. med. Winfried Hardinghaus, Direktor des Zentrums für Palliativmedizin der Niels-Stensen-Kliniken
  • Schwester Oberin M. Georgia Plass, Franziskus-Hospital Harderberg
  • Hubert Riese, Pflegedirektor, Marienhospital Ankum-Bersenbrück
  • Pfarrer Gerd Robben, Krankenhausseelsorge, Marienhospital Osnabrück
  • Markus Schildmeyer, Pflegedienst, Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln
  • Dr. med. Klaus-Peter Spies, stellv. Ärztlicher Direktor, Christliches Klinikum Melle
  • Dr. med. Heinrich Vallo, Oberarzt, Marienhospital Osnabrück  

Ethische Fallbesprechungen

Ethische Fallbesprechungen

Das Ethikkomitee geht davon aus, dass im Zuge der Entwicklungen unseres Gesundheitswesens ethische Konflikte auch in unseren Einrichtungen zunehmen werden. Bereits heute erfolgen zunehmend Anfragen zu konkreten Behandlungskonflikten. Daher hat das Ethik­komitee die Durchführung von ethischen Fallbesprechungen auf Stationsebene in den Krankenhäusern initiiert.

In den ethischen Fallbesprechungen (Synonym: ethisches Konsil) geht es jeweils um ein konkretes Problem, einen aktuellen Anlass auf der Station. Fallbesprechungen werden ausgerichtet von denjenigen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern innerhalb eines Stationsteams, die für einen Patienten, um dessen Fall es bei der Besprechung geht, Mitverantwortung tragen. Die Fallbesprechung ist ein Instrument für das ärztliche, pflegerische und gesamt­versorgende Team, also auch Seelsorger, Sozialdienst, Physio­therapeuten und andere Funktionsbereiche.

In der Regel nehmen Angehörige nicht unmittelbar an einer Fallbesprechung teil. Sie werden vor und/oder nach der Fallbesprechung durch ein ausführliches Gespräch in den Entscheidungsprozess mit einbezogen.

Typische Konfliktsituationen bzw. Anlässe für ethische Fallbesprechungen können sein:

  • Lebensverlängernde Maßnahmen (u. a. Beatmung ja/nein, Ernährung ja/nein)
  • Mutmaßlicher Patientenwille (Patientenverfügung)
  • Entscheidung zwischen kurativem (heilendem) und palliativem (linderndem) Behandlungsansatz
  • unzureichende Palliativmaßnahmen
  • Meinungsverschiedenheiten oder Spannungen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Probleme Angehöriger
  • Probleme mit Angehörigen
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