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Doppelrolle für bessere Patientenversorgung
MHO - Marienhospital Osnabrück

Frau Professor Schütte, wie haben Sie die ersten sechs Monate in Ihrer Doppelrolle erlebt?
Diese sechs Monate waren sehr intensiv und bereichernd. Ich war auf ganz vielen Ebenen aktiv, konnte neue Aufgaben erfüllen und durfte neue Erfahrungen machen.
Ich arbeite in unterschiedlichen Strukturen und Konferenzen mit zwei unterschiedlichen Geschäftsführungen. Das ist extrem faszinierend, bringt aber auch die ein oder andere Herausforderung mit sich. Ich habe tolle Erfahrungen gemacht und sehe auch noch eine spannende Zeit vor uns.
Was hat Sie motiviert, die Verantwortung für gleich zwei Kliniken zu übernehmen?
Unser Gesamtziel ist, dass wir vor dem Hintergrund der Krankenhausreform auch in Zukunft exzellente Medizin für die Osnabrücker anbieten können. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir trägerübergreifend Stärken bündeln und Leistungen miteinander abstimmen. Durch eine Zentralisierung und Zentrierung ist es möglich, die Leistungsgruppen in Osnabrück zu halten und die medizinische Qualität weiter zu steigern. Hier Konkurrenzgedanken auszuleben, wäre aus meiner Sicht in der heutigen Zeit nicht angemessen.
Die Umstände des Krankenhauslebens sind durch den wirtschaftlichen Druck sowieso schon extrem erschwert. Deshalb ist Zusammenhalt gefordert. Um Energie und Ressourcen gut einzusetzen, müssen wir an einem Strang ziehen. Dann kann eine Kooperation der Abteilungen richtig gut werden. Es ist viel einfacher, zwei Abteilungen miteinander abzustimmen, wenn sie unter einer gemeinsamen Leitung sind. So entfällt die ein oder andere Hürde. Ich persönlich halte dieses Gesamtziel für sehr erstrebenswert und sinnvoll. Deshalb habe ich diese Aufgabe so gerne übernommen.
Was war für Sie bisher die größte Überraschung in dieser neuen Konstellation?
Also, Überraschung ist, glaube ich, das falsche Wort. An einigen Stellen habe ich viel mehr Hürden erwartet, als ich sie letztlich erlebt habe. Ich habe sehr engagierte und tolle Teams an beiden Standorten und in beiden Abteilungen.
Und ich bin positiv überrascht von der inneren Flexibilität, die die Mitarbeitenden an den Tag legen. Es war nie ein Problem, die Sinnhaftigkeit des Konzeptes verständlich zu machen. Am Klinikum gab es im vergangenen Herbst eine personelle Lücke in der Leitungsebene. Das war eigentlich die erste Herausforderung. Es ist jedoch deutlich schneller gelungen, die Mannschaft wieder stark aufzustellen und mit kompetenten Mitarbeitenden zu besetzen, als zunächst gedacht und befürchtet.
Insgesamt haben wir auf unkomplizierte Weise innovative Konzepte entwickelt, die einen haus- und trägerübergreifenden Personaleinsatz auf Oberarztebene ermöglichen. Diese Mindset-Veränderungsarbeit ist entscheidend für die nächsten Jahre. Und sie funktioniert, weil die Kollegen sie als sinnvoll ansehen und bereit sind, das vertraute Gebiet zu verlassen, woanders hinzufahren und mit einem nicht vertrauten Team in nicht vertrauten Räumlichkeiten zu arbeiten. Das ist schon toll.
Sie sind seit Langem am katholischen MHO tätig, seit einem halben Jahr sind sie zusätzlich auch am Klinikum tätig. Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen den Krankenhäusern?
Das ist eine ganz schwierige Frage (lacht). Jede Organisationsstruktur hat ja eine gewachsene Kultur, Geschichte und Prägung. Dadurch entsteht auch eine ganz eigene Stimmung. Und die unterscheidet sich natürlich zwischen den Häusern. Das merkt man an der einen oder anderen Stelle, ohne dass man das konkret benennen kann, was das im Umgang genau ausmacht.
Im freigemeinnützigen Krankenhaus ist das christlich geprägte Leitbild traditionell sehr sichtbar und spürbar. Die Würde des Menschen wird besonders in den Mittelpunkt gestellt. Diese Haltung verbindet sich mit dem geteilten Anspruch beider Krankenhäuser, Patientinnen und Patienten bestmöglich und respektvoll zu versorgen.
Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass in jeder medizinischen Einrichtung die Würde des Menschen und deren Unantastbarkeit das höchste Gut ist.
Gibt es Synergien, die schon geschaffen werden und die Patientenversorgung verbessern konnten?
Nach sechs Monaten stehen wir naturgemäß noch am Anfang dieses Entwicklungsprozesses. Aber natürlich ist das angestrebte Ziel, auch in der Zukunft eine optimale Versorgung für die Patienten anbieten zu können. Es ist eine Riesenaufgabe, die ein mehrjähriger Prozess sein wird. Aber ich denke, es wird uns gelingen.
Aktuell sind die Ziele definiert, jetzt bereiten wir die einzelnen Etappen vor und versuchen, die Teams miteinander noch enger zu verschränken und Hospitationen hausübergreifend zu machen. Man wird an beiden Standorten beide Teams und ihre Kompetenzen und Erfahrungen brauchen. Dabei ist es wichtig, dass man sie eng miteinander verzahnt und aus zwei Teams letztlich eine hausübergreifend agierende Mannschaft wächst.
Denken Sie persönlich, dass solche Doppelstrukturen künftig häufiger werden in Deutschland?
Ich glaube schon. Wir sehen eine unglaubliche Dynamik in der Entwicklung der Krankenhauswelt in Deutschland, die durch den hohen wirtschaftlichen Druck bedingt ist. Im Moment bleibt ja fast kein Stein auf dem anderen und viele Krankenhäuser verschieben ihre Schwerpunkte.
Gab es in den ersten Monaten ihr „Das-hätte-ich-nicht-erwartet“- Moment?
Ich bin positiv überrascht mit was für offenen Armen und mit wie viel Positivität ich aufgenommen wurde. In der Abteilung, aber auch in übergeordneten Strukturen, insbesondere in der Chefarztrunde. Ich habe viel positives Feedback erhalten, sehr viele Unterstützungsangebote und herzliche Willkommensansprachen. Das macht dann Spaß, es motiviert und gibt ein sicheres Gefühl. Besonders wichtig ist mir, den Mitarbeitenden an beiden Standorten Danke zu sagen. Veränderung gelingt nicht durch Strukturen allein, sondern durch Menschen, die bereit sind, Neues mitzugestalten. Die Offenheit, Professionalität und das Vertrauen der Teams haben diese ersten Monate möglich gemacht. Und einen muss ich da besonders benennen: Herrn Dr. Tepel, der mich als viszeralchirurgischer Partner und ärztlicher Direktor sehr unterstützt und sich einsetzt, dass ich hier gut integriert bin. Im November werde ich mich revanchieren können. Denn ab dann wird er die Kliniken für Chirurgie weiterhin am Klinikum Osnabrück und neu am MHO leiten.
Haben Sie mittlerweile eine Lieblingskantine?
(Lacht) Am Klinikum war ich noch nicht in der Kantine. Da komme ich irgendwie gar nicht zu.
Wenn ich das so offen sagen darf, ist das ein kleiner Verlust an Lebensqualität. Ich bin ja immer halbe Tage an dem einen und halbe Tage an dem anderen Krankenhaus. Das bedeutet, dass ich mittags immer mit dem Auto oder Fahrrad, je nach Wetterlage, unterwegs bin und dann kann ich allenfalls schnell eine Banane oder einen Quark essen.
Je nach Tag vormittags im Klinikum und nachmittags im MHO. Und das in ständigem Wechsel. Sind Sie schon einmal versehentlich in das falsche Krankenhaus gefahren?
Ich habe mir einen Plan mit bunten Kästchen angefertigt. Und den habe ich mir auch zu Hause hingelegt. Aber in den ersten Wochen war es schon so, dass ich morgens am Parkplatz stand und überlegt habe, muss ich jetzt links oder rechts rum. Aber ich bin nie irgendwo falsch aufgeschlagen. Das ist schon mal gut und es ist ja die Struktur, die ich mir selber ausgedacht habe.
Wenn Sie auf das kommende halbe Jahr blicken, worauf freuen Sie sich am meisten?
Wenn es um die Krankenhäuser geht, dann freue ich mich auf die nächsten Schritte in der Gestaltung der hausübergreifenden Konzepte. Aber da gibt es nichts, was man jetzt als einen Leuchtturm benennen könnte, vielmehr werden es viele kleine Entwicklungsschritte sein. Und dann freue ich mich auch darauf, dass ich irgendwann Urlaub haben werden. Ja, der ist dann auch wichtig.
