Wie attraktiv ist der Pflegeberuf für Auszubildende im Jahr 2020?

BZH-Aktuelles

Seit Ausbildungsbeginn begleitet uns die politische Diskussion um überdurchschnittliche Arbeitsbelastungen sowie Personal- und Zeitmangel in der Pflege.

Darüber hinaus rückte aber auch eine 2. Diskussion, die über das Coronavirus, mit all seinen Folgen und Nebenerscheinungen, den Pflegeberuf innerhalb der Gesellschaft massiv in den Vordergrund, was uns dazu veranlasste, der o.g. Frage näher nachzugehen.

Die Relevanz unserer Fragestellung zeigt sich jedoch nicht ausschließlich in Form dieser politisch gesellschaftlichen Diskussion, sondern gleichwohl durch die Tatsache, dass zur übergeordneten Thematik bereits umfangreiche Studien, z.B. die Sinus-Jugendbefragung (2020), existieren, die ebenfalls nach der Attraktivität von Berufsfeldern unter Jugendlichen fragt.

Während unserer Literaturrecherche stießen wir immer wieder auf den Faktor „Belastung“. Daraus entwickelten wir das Ziel unserer Forschungsarbeit, die Belastungen in unserem Handlungsfeld zu bestimmen. Unsere Hypothese dazu: „Je höher die alltägliche Belastung in der Pflege, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Auszubildende nach der Ausbildung im Beruf bleiben.“

Forschungsdesign: Quantitativ mittels online Fragebogen, 10 Min. Bearbeitungsdauer

Stichprobe: n=94 Teilnehmer, ausschließlich Mittel- und Oberkurs

Datenschutzauflagen waren durch den NSK-Datenschutzbeauftragten sichergestellt.

 Die Auswertung zeigte, dass die eigentlichen pflegerischen Tätigkeiten nicht als Belastungsfaktoren wahrgenommen wurden. Auch die Ausbildungssituation mit zusätzlichem Lern- und Prüfungsstress fiel kaum negativ ins Gewicht. Es scheint eher einen relativ hohen Zufriedenheitsgrad durch die Pflegearbeit selbst zu geben.

Demgegenüber stach aber gleichermaßen heraus, dass annähernd alles, was seitens der befragten Auszubildenden als Belastung definiert wurde, nahezu vollständig den Rahmenbedingungen der praktischen Arbeit zuzuordnen ist. Dabei dominieren deutlich Komponenten wie Zeit- und Personalmangel, sowie fehlender Theorie-Praxis-Transfer. Allein dadurch erleben 75% der Befragten eine für sie unbefriedigende Patientenversorgung. Parallel konnte aufgezeigt werden, dass sich 60% der Auszubildenden nicht kontinuierlich gut angeleitet fühlen und weniger als die Hälfte der Befragten auf ihrer letzten Station einen festen Praxisanleiter hatten. Umso weniger erstaunt es, dass sich exakt diese Aspekte in den Wünschen der Auszubildenden bezüglich einer Veränderung wiederfinden. Hierbei sticht zusätzlich heraus, dass sich 25,3% der Auszubildenden eine gelungenere Kommunikation und eine höhere Wertschätzung seitens der Stationen wünschen. Als Folge dieser Situation geben 2 von 3 Befragten an, dass die Ausbildung sie stark in ihrer work-life-balance beeinträchtigt.

Fazit: Der Pflegeberuf macht vielen von uns Spaß …IST also attraktiv, trotz und gerade durch seine Herausforderungen. Verbesserte Rahmenbedingungen würden zu mehr personeller Bindung führen. Das Projekt gab uns insgesamt nicht nur ein spannendes Ergebnis, sondern gleichwohl einen guten Einblick in die vielfältigen Anforderungen zu Ablauf, Durchführung, Organisation und den Stolperfallen einer pflegewissenschaftlichen Forschungsarbeit.

(EK April 2018) mit den Lehrerinnen Anna Möller und Sabine Laermann

 

 

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