Stehen im Krankenhausalltag institutionelle Vorgaben über einem würdevollen Umgang der Pflegenden mit den Patient*innen?

BZH-Aktuelles

Wir, der EK August 2017 haben uns im Rahmen unseres Forschungsprojektes für dieses Thema entschieden, um erlebte die Würde der Patient*innen betreffende Konfliktsituationen zu evaluieren und Anreize für einen würdevolleren Umgang mit den Patient*innen im Klinikalltag geben zu können.

Dazu haben nach einer ausführlichen Literaturrecherche vier Hypothesen aufgestellt:

- Je schlechter der Stellenschlüssel, desto weniger würdevoll ist der Umgang mit Patient*innen

- Ein Wertschätzender Umgang im interdisziplinären Team (Arbeitsklima) fördert eine würdevolle pflegerische Versorgung -> Frustration

- Pflegende haben sich daran gewöhnt, ihre Arbeit den Patient*innen gegenüber nicht würdevoll ausführen zu können, um den institutionellen Vorgaben zu entsprechen / zu genügen

- Je größer die Einschränkungen durch institutionellen Vorgaben, desto schwieriger ist die Umsetzung des Leitbildes

Um unsere Hypothesen zu prüfen, haben wir uns für eine quantitative Datenerhebung entschieden mit Hilfe eines Fragebogens, den wir in unseren Stammhäusern (MHA,MHO,CKO) & in jeweils zwei Kursen aus allen 3 Ausbildungsjahren verteilt haben. Besonders prägnante Aussagen dabei waren zum Beispiel:

Bei der Frage „Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, aufgrund mangelnder Besetzung den Patient*innen nicht gerecht worden zu sein?“ haben 59% der befragten Auszubildenden mit „ja“ und nur 2% mit „nein“ geantwortet. Bei den examinierten Pflegekräften haben sogar 66% mit „ja“ geantwortet und auch hier nur 2% mit „nein“. Dadurch wird deutlich, dass das Gefühl durchaus bei Pflegenden bekannt ist und sie somit ihre Arbeit nicht für sich selbst zufriedenstellend ausführen konnten.

Eine weitere Frage, die wir als sehr aussagekräftig befunden haben, war „Haben Sie in Ihrem pflegerischen Alltag genügend Zeit, um Patient*innen die bestmögliche Versorgung zu bieten?“, wobei bei den befragten Auszubildenden 41% mit „eher nein“ und 29% mit „nein“ geantwortet haben und bei den befragten examinierten Pflegekräften haben sogar 50% mit „eher nein“ und 21% mit „nein“ geantwortet. Dies zeigt auf, dass die absolute Mehrheit zu wenig Zeit für die Pflege ihrer Patient*innen hat.

Nach der Auswertung der gesamten Fragebögen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es verschiedene institutionelle Vorgaben gibt, die einen würdevollen Umgang mit zu pflegenden Menschen erschweren, wie zum Beispiel ein grundsätzlicher Zeitmangel durch unzureichende Schichtbesetzung, nicht abgestimmte Visitenabläufe und räumliche Gegebenheiten, die den Schutz der Intimsphäre nicht ermöglichen. Zudem ist die Abhängigkeit der Auszubildenden im Stationsteam deutlich geworden.

Von Sina Hübner, Silja Lutter und Carina Wulfern

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