Dünndarmdiagnostik

Für die Untersuchung des Dünndarms als längstem Abschnitt des Verdauungstrakts stehen im Marienhospital mit der Kapselendoskopie und der Doppelballonenteroskopie modernste Verfahren zur Verfügung. Beide Methoden eröffnen seit ihrer Einführung vor wenigen Jahren die Möglichkeit zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen, die bis dahin nur mit sehr aufwändigen und komplikationsreichen operativen Verfahren zu erreichen waren. Die Ärzte der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Marienhospitals verfügen über eine große Erfahrung mit beiden Verfahren, die in Kombination in Osnabrück und dem Osnabrücker Land nur in unserem Haus eingesetzt werden.


Kapselendoskopie

Bei der Kapselendoskopie wird nach üblicher Vorbereitung des Darms mit einer Spüllösung in Anlehnung an die Vorbereitung zur Dickdarmspiegelung eine Kamerakapsel von der Größe einer Antibiotika-Tablette mit einem Schluck Wasser geschluckt. Diese Kapsel verfügt über eine Blitzlichteinheit, eine Kamera und einen Sender, der die 2-mal pro Sekunde aufgenommenen Bilder an die auf der Bauchhaut des Patienten angeklebten Empfänger übermittelt. Die empfangenen Bilder werden in einem kleinen Rekorder gespeichert und stehen dem Arzt nach Beendigung der Untersuchung im Computer zur Auswertung zur Verfügung. Hierbei wird ein Film der Bilder erstellt und es können auch kleinste Veränderungen der Dünndarmschleimhaut gesehen werden. Nachteil des Verfahrens ist die fehlende Möglichkeit zur Probenentnahme und Steuerung der Kapsel.

Wie ist der Ablauf der Untersuchung?

Nach Vorbereitung und Einnahme der Kapsel können die Patienten in der Regel auch ambulant verbleiben. Wichtig ist die ausreichende körperliche Bewegung, da ansonsten die Kapsel zu lange Zeit im Magen verweilt und die Kapazität der Batterie der Kapsel so frühzeitig erschöpft ist, dass keine komplette Darstellung des Dünndarms erfolgen kann. Zwei Stunden nach der Einnahme können bereits klare Flüssigkeiten getrunken und nach vier Stunden auch wieder gegessen werden.

Wenn die Batteriekapazität erschöpft ist, was über ein Lichtsignal am Rekorder zu erkennen ist, können die Sender von der Bauchhaut entfernt und der Rekordergürtel abgelegt werden. Dies ist etwa nach 8-10 Stunden der Fall. Die Kapsel muss nicht gesondert entsorgt werden, sondern wird meistens unbemerkt mit dem Stuhl ausgeschieden.

Am folgenden Tag wird der Rekorder in der Endoskopieabteilung des Marienhospitals von den Experten ausgelesen und ein Befund am gleichen Tag erstellt.

Gibt es Komplikationen bei der Kapselendoskopie?

Zum Glück ist die Kapselendoskopie ein sehr komplikationsarmes Verfahren. Engstellen im Dünndarmverlauf sollten allerdings zuvor ausgeschlossen worden sein, damit es nicht durch die Kapsel zu einem Darmverschluss kommt. Hier befragen Sie aber die zuständigen Ärzte vor der Durchführung der Untersuchung und veranlassen im Zweifel weitere bildgebende Untersuchungen, damit die Kapselendoskopie sicher durchführbar ist.

Die anfängliche Befürchtung, dass die Kapselendoskopie zu Störungen von Herzschrittmachern führen könnte, ist inzwischen übrigens weitgehend widerlegt, sodass bei wichtiger Indikation die Kapselendoskopie auch bei  Herzschrittmacherträgern durchgeführt werden kann.



Doppelballonenteroskopie

Die Doppelballonenteroskopie als zweites Verfahren zur Diagnostik und in diesem Fall auch Therapie von Erkrankungen des Dünndarms ist ungleich aufwändiger als die Kapselendoskopie. Vorteil ist sicherlich die Möglichkeit zur Entnahme von Proben der Schleimhaut zur feingeweblichen Untersuchung (Histologie) und zur endoskopischen Therapie von Blutungsquellen, Polypen oder Engstellen des Dünndarms. Mittels eines langen Endoskops und eines darüber geführten Übertubus, an deren Enden jeweils ein Ballon befestigt ist, erfolgt zunächst am ersten Tag der Untersuchung in der Regel eine Endoskopie über Mund, Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm bis in den tieferen Dünndarm. Hierbei werden die Ballons, die einzeln mit Luft gefüllt werden können, genutzt, um das Gerät an schwierigen Stellen des Dünndarms zu fixieren und den Dünndarm durch Zug zu verkürzen. Mittels dieser Zug-und-Vorschub-Technik gelingt es, deutlich tiefer in den Dünndarm vorzuspiegeln, als dies mit normalen - auch längeren - Endoskopen gelingt.

Da der Dünndarm in der Regel nicht von einem Zugangsweg alleine komplett eingesehen werden kann, wird an der Stelle des weitesten Vorschubs eine Markierung mit einer Tuscheinjektion in die Wand gesetzt. Dies ist natürlich nur erforderlich, wenn die Diagnose nicht bereits gestellt werden konnte.

Am Folgetag erfolgt die Untersuchung in gleicher Technik vom After aus, also zunächst als Dickdarmspiegelung mit anschließendem Vorschub des Geräts in den Dünndarm, optimalerweise bis zur am Vortag markierten Stelle. Mit dieser Technik kann somit der komplette Dünndarm eingesehen werden.

Großer Vorteil der Methode ist die Möglichkeit alle Verfahren zur endoskopischen Therapie identisch zur Magenspiegelung oder Dickdarmspiegelung anzuwenden. Hierbei können Blutungsquellen also nicht nur entdeckt, sondern auch mittels Gefäßklammern, Injektion von Medikamenten oder durch Hitzeanwendung therapiert werden. Die Probenentnahme zur feingeweblichen Untersuchung steht ebenso zur Verfügung wie die Abtragung von Polypen oder die endoskopische Weitung von Engstellen. Auch eine Markierung von krankhaften Veränderungen für einen später erforderlichen chirurgischen Eingriff kann erforderlich sein und dann die Operation deutlich vereinfachen.

 Wie muss ich mich zur Untersuchung vorbereiten?

Aufgrund der Komplexität der Untersuchung erfolgt diese in der Regel während eines stationären Aufenthalts. Vor dem ersten Untersuchungstag muss eine Darmreinigung wie zur Dickdarmspiegelung erfolgen, damit eine ausreichende Sicht im Dünndarm gegeben ist. Ist auch die zweite Untersuchung erforderlich, erhält der Patient nach der ersten Untersuchung ebenfalls nur klare Flüssigkeiten zu trinken und muss erneut ein Abführmittel in geringerer Dosis einnehmen, damit die Passage des Dickdarms sicher gelingen kann.

Wann soll eine Doppelballonenteroskopie durchgeführt werden?

Typische Gründe für eine Doppelballonenteroskopie sind:
•unklarer Blutverlust über den Verdauungstrakt bei unauffälliger Magen- und Dickdarmspiegelung
•unklare Blutarmut mit Eisenmangel bei unauffälliger Magen- und Dickdarmspiegelung
•Zeichen einer aktiven Blutung im mittleren Verdauungstrakt
•Angeborene Polypenerkrankungen des Dünndarms (Peutz-Jeghers-Syndrom, familiäre adenomatöse Polyposis
•Auffälligkeiten des Dünndarms in Sonographie, Computer- oder Kernspintomographie
•Morbus Crohn mit Dünndarmbefall und/ oder Engstellen

Prinzipiell sollte die Indikation zur Untersuchung von mit der Methode vertrauten Spezialisten gestellt werden, um unnötige Diagnostik zu vermeiden. Gerne können Sie oder Ihr Hausarzt uns ansprechen.

Welche Risiken beinhaltet die Doppelballonenteroskopie?

Aufgrund langjähriger Erfahrungen mit der Methode und den Ergebnissen des von OA Dr. Möschler geführten Doppelballonregisters für Deutschland, wissen wir inzwischen, dass die Doppelballonenteroskopie wie alle endoskopischen Untersuchungen auch Komplikationen mit sich bringen kann. Hierbei liegt die Komplikationsrate aber im Bereich anderer aufwändiger endoskopischer Untersuchungen.

Insbesondere bei therapeutischen Eingriffen (Abtragung von Polypen, Dehnung von Engstellen) können in Einzelfällen auch Einrisse der Dünndarmwand (Perforationen), die nur operativ zu beheben sind, entstehen.

Blutungen sind meist weniger gefährlich und können durch endoskopische Maßnahmen gestillt werden.

Als Besonderheit der DBE-Untersuchung gilt die Bauchspeicheldrüsenentzündung bei Untersuchung von der Mundseite, die in 0,3% der Fälle auftreten kann, aber fast immer folgenlos ausheilt. Schwere Verläufe sind allerdings beschrieben.

Insgesamt gilt die Untersuchung aber als vergleichsweise sicheres endoskopisches Verfahren, wenn sie mit entsprechender Vorsicht und von erfahrenen Endoskopikern durchgeführt wird.



 

 

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