Behandlung von Bandscheibenvorfällen am Marienhospital Osnabrück

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich meistens um eine Abnutzungserscheinung – seltener Verletzung – der zwischen den Wirbelkörpern gelegenen Bandscheiben. Diese bestehen aus einem elastischen Kern, der von einer derben Kapsel umgeben ist. Durch eine Schwäche in der Kapsel wird ein Teil des Kerns (Sequester) durch die Kapsel gepresst, der dann gegen einen oder mehrere Nervenwurzeln drücken kann, die im Wirbelkanal verlaufen. Dadurch kommt es neben Rückenschmerzen zu Beschwerden im Ausbreitungsbereich des Nerven.

Bandscheibenvorfälle treten überwiegend im Bereich der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule auf. Mit Degeneration meint der Mediziner in diesem Zusammenhang den Wirbelsäulenverschleiß.

Symptome des Bandscheibenvorfalls

Halswirbelsäule

Beim Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule hängen die Symptome davon ab, ob eine Beeinträchtigung des Rückenmarks oder einer Nervenwurzel im Vordergrund steht. Ist das Rückenmark betroffen, so verspürt der Patient oft eine zunehmende Gefühlsstörung an Armen und Beinen, häufig mit Kribbel-Empfindungen. Das Gangbild wird unsicher und wirkt hölzern. Der Patient hat das Gefühl, „wie auf Wolken zu laufen“. Diese Symptomatik nennt man „zervikale Myelopathie“. Häufiger ist jedoch nicht das Rückenmark, sondern eine Nervenwurzel von dem Bandscheibenvorfall betroffen. Dann kommt es zu so genannten „Zervikobrachialgien“, d.h. solchen Schmerzen, die vom Nacken kommend in einen bestimmten Bereich des Armes ausstrahlen. Je nach Ausprägung des Bandscheibenvorfalles kann es auch zu Gefühlsstörungen oder gar zu Lähmungserscheinungen in diesem Bereich kommen.   

Lendenwirbelsäule

Der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule ist die häufigste Ursache so genannter „Lumboischialgien“, d.h. solcher Schmerzen, die vom Rücken kommen und in einen bestimmten Bereich des Beines ausstrahlen. Dieses zu dem betreffenden Nerven gehörende Areal nennt man Dermatom. Dabei kann es auch zu Gefühlsstörungen im selben Dermatom oder zu Lähmungserscheinungen kommen. Eine Besonderheit ist dabei das sogenannte „Cauda-equina-Syndrom“. Durch die Einklemmung des unteren Teils des Rückenmarks, bzw. der meisten der abgehenden Nervenwurzeln kommt es zu Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion wie Inkontinenz oder Verhalt, zu Potenzstörungen und zu Querschnittssyndrom-ähnlichen Symptomen. 

Behandlung des Bandscheibenvorfalls

Konservative Therapie

Ein Großteil der oben genannten Bandscheibenvorfälle kann mit konservativer Therapie (meist medikamentöser Schmerztherapie und physiotherapeutischer Behandlung) erfolgreich behandelt werden. Auch die gezielte medikamentöse Therapie durch Injektion von Wirkstoffen in die unmittelbare Umgebung des betroffenen Nerven (Peri-Radikuläre-Therapie = PRT) kann oft helfen, eine Operation zu vermeiden.

Operation / Bandscheibenprothese

Bei Lähmungserscheinungen oder dem Versagen der konservativen Therapie ist in der Regel die Operation anzustreben. Eine dringliche Indikation für eine Operation ist eine Blasen- oder Mastdarmfunktionsstörung mit Gefühlsstörung im Genital- und Analbereich (Cauda-Syndrom, s.o.). Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule ist eine Operation insbesondere auch bei der zervikalen Myelopathie angezeigt, bei der das Rückenmark betroffen ist (s.o.). 

Bei einem Vorfall der Halswirbelsäule wird meist ein Operationsverfahren angewandt, das Mikrodiskektomie genannt wird. Dabei wird über einen kosmetisch kaum auffallenden Schnitt vorne seitlich der entsprechende Bereich der Halswirbelsäule dargestellt. Unter Sicht durch das Operationsmikroskop werden nun die Bandscheibe abgetragen und die knöchernen Veränderungen vollständig entfernt. In den entstandenen Raum zwischen den Wirbeln wird nun entweder ein starrer Platzhalter (z.B. aus Titan oder Polyethylen) oder eine Bandscheibenprothese („Künstliche Bandscheibe“) eingesetzt. 

Es wird vor der Operation ausführlich mit dem Patienten darüber gesprochen, welche Variante in seiner Situation geeigneter erscheint und welches die Vor- und Nachteile der Möglichkeiten sind.  Das am häufigsten angewandte Operationsverfahren bei einem Vorfall der Lendenwirbelsäule ist die mikrochirurgische Entfernung des Bandscheibenvorfalls. Dabei wird über einen kleinen Hautschnitt in der Mitte des Rückens der hintere Bereich des Wirbelkanals in Form eines kleinen „Fensters“ eröffnet. Unter Sicht durch das Operationsmikroskop kann nun die betroffene Nervenwurzel genau dargestellt und der herausgedrückte Bandscheibenanteil (Sequester) entfernt werden.

Bei bestimmten Voraussetzungen kann der Bandscheibenvorfall auch endoskopisch behandelt werden. Dabei reicht ein kleiner Hautschnitt in der Flanke oder am Rücken, durch den ein dünnes Metallinstrument (Endoskop) bis zur Wirbelsäule eingeführt wird. Unter Sicht durch eine Kameraübertragung und mit verschiedenen feinen Instrumenten kann der Vorfall dann durch das Endoskop entfernt werden.

Abläufe im Krankenhaus

In der Regel wird der Patient ambulant für die Operation vorbereitet, am Morgen des Operationstages aufgenommen und bleibt anschließend zwischen zwei (Halswirbelsäule) und vier (Lendenwirbelsäule) Tagen im Krankenhaus. Bei einem endoskopischen Eingriff kann der Patient meist schon am Tag nach der Operation entlassen werden.

Nach der Bandscheiben-OP

Spätestens am Tag nach der Operation darf der Patient aufstehen und umhergehen. Parallel beginnt die physiotherapeutische Therapie, bei der unter anderem wirbelsäulenschonende Bewegungsmuster erlernt werden. Eine Halskrawatte braucht bei Operationen an der Halswirbelsäule in der Regel nicht getragen werden. Nach dem stationären Aufenthalt empfiehlt sich beim Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule eine ambulante oder stationäre physiotherapeutische Weiterbehandlung, die bei Bedarf und den Wünschen des Patienten entsprechend durch uns organisiert wird.

Rufen Sie uns an

Um einen Termin zu vereinbaren, rufen Sie uns einfach an: 0541/326-4579

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