Neuromodulation

Unter Neuromodulation versteht man die gezielte Beeinflussung der Nervenaktivität zur Hemmung der Schmerzfortleitung. Zu dieser Technik werden insbesondere drei Verfahren gezählt, die bei uns in Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie regelmäßig eingesetzt werden:

Rückenmarkstimulation (SCS, engl. für Spinal Cord Stimulation)
Hinterwurzelganglion-Stimulation (DRG, engl. für Dorsal Root Ganglion Stimulation)
Periphere Nervenstimulation (PNS)

In Frage kommen diese Verfahren der Neuromodulation in der Regel dann, wenn weniger invasive Therapiemaßnahmen wie Medikamente, Krankengymnastik oder eine stationäre multimodale Schmerztherapie erfolglos geblieben sind. Um die Indikation zur Neuromodulation zu prüfen, wird vorab eine intensive Schmerzdiagnostik (multimodales Assessment) durchgeführt.

Rückenmarkstimulation (SCS)

Bei der SCS-Therapie werden in einer kleinen Operation ein oder zwei dünne elektrische Sonden unter Röntgenkontrolle in den Rückenmarkskanal eingebracht. Dort wird nach Anschluss an einen kleinen Generator (IPG) der hintere Anteil des Rückenmarks elektrisch so beeinflusst, dass die Schmerzfortleitung zum Gehirn unmerklich gehemmt wird. Die SCS wird insbesondere bei ansonsten therapieresistenten Rücken-/Beinschmerzen mit großem Erfolg eingesetzt. Darüber hinaus gibt es weitere hervorragende Einsatzmöglichkeiten, wie z.B. bei schmerzhaften Durchblutungsstörungen in Bein oder Herz oder Nervenschmerzen in Schulter, Armen und Beinen.

Am Marienhospital Osnabrück – Standort Natruper Holz steht die neueste Gerätegeneration mit innovativen Stimulationsformen (Hochfrequenz- und Burststimulation) zur Verfügung.

Hinterwurzelganglion-Stimulation (DRG)

Ähnlich der SCS werden bei der DRG ein oder mehrere kleine elektrische Sonden implantiert – allerdings nicht in den Rückenmarkskanal, sondern in die Austrittslöcher der Rückenmarksnerven (Neuroforamen). Dort verändern die elektrischen Signale der Sonden die Aktivität von kleinen Nervenzellansammlungen (Ganglien) im Bereich der Hinterwurzel der Rückenmarksnerven. An diesem Ganglion können die Schmerzsignale aus einem bestimmten Areal des Körpers unterdrückt werden. Die DRG ist zur Behandlung von Nervenschmerzen geeignet und stellt bei richtiger Indikationsstellung eine effektive Therapiemöglichkeit von behandlungsresistenten Schmerzen bei CRPS Typ I und II (Reflexdystrophie, Morbus Sudeck), regionalen neuropathischen Schmerzsyndromen (chronische Knieschmerzen nach Gelenkersatz, dauerhafte Leistenschmerzen nach Hernien-OP) sowie bei Stumpf- und Phantomschmerzen dar.

Periphere Nervenstimulation (PNS)

Stimulationssonden können nicht in nur in die Nähe des Rückenmarks, sondern auch an periphere Nerven platziert werden und dort die Schmerzfortleitung effektiv hemmen. Dieses Verfahren kommt zum Beispiel bei bestimmten Migräneformen oder peripheren Nervenschäden zum Einsatz.

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