Musiktherapie

Seit 2002 besteht für alle Patientinnen der senologischen Abteilung des Franziskus-Hospitals Harderberg (inzwischen Brustzentrum Osnabrück) die Möglichkeit, an einer Musiktherapie teilzunehmen.

Vor allem während der postoperativen Phase, in der viele Patientinnen Chemotherapie und/ oder Bestrahlungen bekommen, hat sich die Musiktherapie als eine sinnvolle und hilfreiche ergänzende Begleitung erwiesen.

Für die Gestaltung der Sitzungen gibt es ein großes Angebot an verschiedenen Instrumenten, die ohne spezielle Vorerfahrungen oder Notenkenntnisse gespielt werden können, während der Therapeut in der Regel dazu Klavier spielt. Auch beim gemeinsamen Singen, welches sich bei vielen Patientinnen als ein wichtiger Bestandteil der Sitzungen entwickelt, kann auf ein großes Repertoire an Liedern und Stilen zurückgegriffen werden. Als Glücksgriff hat sich die „gotische“ Harfe herausgestellt, zu der viele Patientinnen eine besondere Beziehung bekommen.

Die einzeltherapeutischen Sitzungen dauern ca. 45 Minuten und finden ein bis zweimal wöchentlich im Musiktherapieraum des Franziskus-Hospitals statt.

Eine Therapiesequenz dauert etwa 8 bis max. 20 Sitzungen. Es werden keine Notenkenntnisse oder instrumentale Fertigkeiten vorausgesetzt, d.h. jede ist willkommen und kann mitmachen. Die Finanzierung erfolgt mit Hilfe von Spendengeldern über den Verein Spes Viva e.V., Kosten entstehen für die Patientinnen also nicht. (Termine nach Absprache, Tel: 0541 / 128 128)

Therapeutische Ziele der Musiktherapie

Vorrangige Ziele der Musiktherapie in der Behandlung der Brustkrebspatientinnen sind die Krankheitsbewältigung und das Fördern von Lebensqualität. Durch die individuelle praktische Beschäftigung mit der Musik wird der bedrohlichen Situation der Erkrankung etwas Positives, Kreatives entgegengesetzt, wird die Patientin aus der Passivität und dem Ohnmachtsgefühl der Patientenrolle geführt, um selbst aktiv ihr Leben an diesem sensiblen Punkt „mitzugestalten“.

Mit Hilfe instrumentaler Improvisationen wird der Patientin ermöglicht, auch negative Gefühle wie Angst, Unsicherheit oder Wut wahrzunehmen, zuzulassen und ihnen nonverbal Ausdruck zu geben. Aber auch positiven Gefühlen wie Freude, Hoffnung und Zuversicht werden beispielsweise durch das Singen entsprechender Lieder Ausdruck verliehen. Häufig zu beobachtenden Rückzugs- und Isolierungstendenzen wird begegnet, indem die Patientin in einem geschützten Rahmen über die Person des Therapeuten in (musikalisch gestaltete) Kommunikation zur Außenwelt treten kann, ohne dabei immer wieder über die Krankheit sprechen zu müssen. Im Erleben des Gelingens eigener Spielversuche und der Erweiterung des eigenen kreativen Repertoires kann das möglicherweise gestörte oder verletzte Selbstbild (Brustamputation, Haarausfall) gestärkt und neu positivbelegt werden. Durch das hohe Maß an Individualität in der Gestaltung der Sitzungen (unter Einbeziehung der musikalischen Vorlieben und der jeweiligen gegenwärtigen Verfassung) erlebt die Patientin sich ganz individuell wahrgenommen und wertgeschätzt. Während der Musiktherapie verankert sich der Mensch kreativ gestaltend ganz im „Hier und Jetzt“, so dass ein depressiv rückwärtsgerichtetes Denken und Fühlen abgelöst wird von dem Erleben eigener Aktivität und Lebendigkeit.

„Könnte die Musiktherapie auch etwas für Sie sein ???“

Leider ist beim Thema des eigenen aktiven Musizierens die Hemmschwelle außerordentlich hoch, so dass sich viele Patientinnen eine Teilnahme gar nicht erst zutrauen. Gründe hierfür sind in vielen Fällen negative Erfahrungen in Kindheit und Schule und die daraus resultierende Meinung „ich bin unmusikalisch“.

Umso größer ist oft schon in der ersten „Schnupperstunde“ die Überraschung, wie schön die eigene improvisierte Musik im Zusammenwirken mit dem Therapeuten klingen kann und wie viel Spaß und Freude dabei erlebt werden.

Eine von vielen Patientinnen immer wieder geäußerte Erfahrung ist ein Gefühl von Leichtigkeit oder Beschwingtheit nach der Sitzung, das auch in den Alltag hineinwirken kann.

Ich möchte allen Patientinnen Mut machen, dieses kostenlose Angebot einmal auszuprobieren.

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