14.06.2010: OTA 09-12 auf dem OP-Sympsosium in Gütersloh

Für 16 Auszubildende des OTA Kurses Oktober 09 und ihrer Kursleiterin gab es einen Studientag außerhalb des Bildungszentrums im ZAB (Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen GmbH) in Gütersloh.

Es war ein Tag der abwechslungsreicher nicht sein könnte. Begonnen hat er mit einem theoretischen Vortrag aus der Diplomarbeit von Elke Radukic zum Thema: Lernaufgaben für die Praxis. Der anschließende Mikrokosmos Operationssaal wurde durch Angelika Fuchs (Schulleitung OTA) als Projekt des Oberkurses OTA 08 vorgestellt und als „kleine Welt OP“ und „Etwas, das im Kleinen widerspiegelt, was im Großen vor sich geht“ definiert.

Ein Vortrag der Superlative war sicherlich die Power Point Präsentation von Marc Arend über „Polymere in der Medizin“. Fachtermini wie Polyvinylchlorid ist ein amorpherthermoplastischerKunststoff für uns unter dem Kürzel: PVC bekannt gingen ihm zügig über die Lippen. Seine vielfältige Verwendung von Fachbegriffen wurde immer mit einer Erklärung für uns transparent dargeboten. Die anschließende  praxisbezogene Frage bezogen auf Redondrainagen und ihre Nachteile konnte durch eine Auszubildende aus dem Bildungszentrum klar mit den toxischen Weichmachern beantwortet werden.

Der nächste Beitrag befasste sich mit der „Reanimation im OP“ und Hand aufs Herz“. Die theoretische Einleitung unterstützt durch eine ansprechende und interessante Power Point Version wurde durch den Auszubildenden Philipp Grünewald vorgestellt. Wo man früher eine Reanimation mit „heißen Kohlen auf dem Bauch“ oder durch eine „Umkehr Methode“, (der Patient wurde an den Füßen aufgehängt) keine wirklichen Erfolge erzielt hat, gibt es heute die erfolgreiche Thoraxkompression. Im Workshop  hat Philipp zusammen mit weiteren Auszubildenden aus seinem Kurs eine intraoperative Situation konstruiert. Die WorkshopteilnehmerInnen bekamen durch Losverfahren eine Rollenzuweisung und lediglich die Information: „Es kommt zu einem intraoperativen Zwischenfall“.  Die Szene wurde filmisch festgehalten und direkt im Anschluss gemeinsam ausgewertet. Der zweite Durchgang verlief dann sehr viel besser – es kam zu einer erfolgreichen Reanimation!

Isabell Jung ebenfalls aus dem Oberkurs hat die Perspektive einer Patientin eingenommen, die „abgesetzt“ wurde. Aus eigener Erfahrung schilderte sie sehr nachhaltig ihr emotionalen Erfahrungen von der Wartezeit in den OP zu kommen und der Information: „Sie werden heute nicht mehr operiert, es sind zwei dringliche Notfälle dazwischen gekommen!“  Besonders nachdenklich stimmte ihre Anmerkung, dass nach wiederholtem Nachfragen sie keine klaren Informationen bekommen hat, obwohl die Möglichkeit des aktuellen Standes zum OP Plan über die EDV im Schwesternzimmer abgerufen werden kann. Damit wäre evtl. die Frage „Warum werde ich abgesetzt“ schon früher geklärt gewesen. Das die Medaille auch zwei Seiten hat, zeigte Isabell durch eine Karikatur einer OP-Situation mit der Sprechblase: „Jungs Feierabend! Der Müller ist abgesetzt!“ Isabell entließ uns ohne Diskussion mit dem Appell an eine ethisch würdevolle Behandlung.

Weitere Workshops befassten sich mit „Nahttechniken – üben am Modell“ und „Minimalinvasive Chirurgie – Geschicklichkeitstest“, die vom OTA Kurs 09-12 rege in Anspruch genommen wurden.  Durch Selbsterfahrung kam bei dem einen oder anderen Auszubildenden ein ganz neues Verständnis für „ihren Chirurgen“ auf.Der letzte Beitrag berichtete über „Ärzte ohne Grenzen“ und der „Einsatz in Krisengebieten für OP-Personal“. Dr. Ralph Bruckisch schilderte ganz klar die Hintergründe, die mit dem Einsatz in einem Krisengebiet verbunden sind. Dabei sei das lebhafte Umfeld nicht zu unterschätzen mit Menschenansammlungen, Lärm und Gerüchen, die wir so nicht gewohnt sind. Ebenfalls zu bedenken sei die aktuelle Lebenssituation der Menschen und der schwierige Kontaktaufbau zur Bevölkerung.  Damit verbunden ist das Alleinsein in der Krisenregion außerhalb des Teams. Auch die Vorstellung, der teils in Wellblechhütten untergebrachten Einsatzkräfte bei Hitze und Feuchtigkeit hat er uns bewusst gemacht. Zusammenfassend sagte er: „Der große Unterschied liegt im normalen Alltag des Lebens und nicht die eigentliche Tätigkeit im OP. So suchen Ärzte ohne Grenzen keine Spezialisten, sondern Leute, die durch ihre Ausbildung für bestimmte Tätigkeiten einsetzbar sind.“

Bleibt nur zu sagen: ein gelungener Studientag! (PeLo)

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