23.02.2015: Inwieweit sind Ärzte und Pflegekräfte über MRSA aufgeklärt?

 

 

Kann durch gründliches Händewaschen eine Übertragung von multiresistenten Keimen verhindert werden?

Können rohes Fleisch und Wäsche Überträger von MRSA sein?

Was halten Sie für die Hauptursache für die Entstehung von multiresistenten Keimen?

Mit diesen und anderen Fragen hat sich der EK April 2012 aus dem Bildungszentrum St. Hildegard und der Gesundheits-und Kinderkrankenpflegeschule in seiner Forschungsarbeit (im Rahmen der Unterrichtseinheit ‚Pflegewissenschaft‘) beschäftigt.

Die Literaturrecherche zu den oben genannten Inhalten ergab kurz zusammengefasst folgende Ergebnisse:

Zusammenhang MRSA und Antibiotika:

·                Die Resistenzentwicklung bei MRSA wird hauptsächlich durch den falschen Einsatz von Antibiotika verursacht.

·                50% der Antibiotika werden fälschlicherweise verschrieben (z.B. bei viralen Infekten, Breitbandantibiotika).

·                Schmalspektrumantibiosen sind bei bakteriellen Infektionen ausreichend.

·                Unzuverlässige Antibiotikaeinnahme durch die Patienten fördern Resistenzen.

Übertragungswege

·                Es gibt endogene und exogene Übertragungswege:

Endogen: Der Betroffene selbst verbreitet den Erreger in andere Körperregionen

Exogen: Der Erreger wird von Mensch zu Mensch oder Umwelt zu Mensch übertragen (Türklinken, Treppengeländer, rohes Fleisch, Wäsche usw.)

·                MRSA ist aufgrund des verstärkten Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht in mehr als 50% der Bestände mit Mastschweinen und in 20% der Mastkälber- und Putenbestände verbreitet.

·                Personen mit beruflichem Kontakt zu Schweinen und anderen Nutztieren sind daher häufiger von MRSA betroffen (25%) als die Allgemeinbevölkerung (1,5%).

Prävention im häuslichen Umfeld

·                Gründliches Händewaschen nach Kontakt mit (potenziell) kontaminierten Gegenständen / Lebensmitteln / Personen durchführen.

·                Rohes Fleisch stets vor der Zubereitung waschen und trocknen.

·                Rohe tierische und rohe pflanzliche Lebensmittel stets getrennt halten.

·                Benutzte Arbeitsgeräte gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen.

·                Fleisch stets bis in den Kern durcherhitzen, mind. 10 Minuten bei 70 °C.

·                Wäsche bei mind. 60°C waschen.

Im Anschluss an die Literaturanalyse wurden drei Hypothesen aufgestellt und im Forschungsprozess untersucht:

1. Pflegekräfte sind besser aufgeklärt als Ärzte

2. Je mehr Informationsquellen genutzt wurden, desto höher das Wissen über MRSA

3. Je kürzer der Ausbildungsabschluss zurückliegt, desto besser ist die Aufklärung über MRSA

Gemeinsam wurde festgelegt, eine quantitative deskriptive Studie durchzuführen. Die SchülerInnen entwickelten einen standardisierten Fragebogen und führten die Befragung im Marienhospital und im Christlichen Kinderhospital Osnabrück durch.

Insgesamt wurden von den 180 ausgeteilten Fragebögen 117 von Pflegekräften und Ärzten ausgefüllt zurückgegeben.

In der anschließenden Datenauswertung wurde deutlich, dass insbesondere zur ersten Hypothese die Ergebnisse am aussagekräftigsten sind:

Es zeigt sich unter anderem, dass fast allen Pflegekräften (95%) und Ärzten (93%) bewusst ist, dass Wäsche Überträger von MRSA sein kann. Bzgl. der Übertragung durch rohes Fleisch ist der Wissensstand deutlich schlechter (Pflegekräfte = 62% und Ärzte = 73%). Der präventive Umgang mit rohem Fleisch und Wäsche ist ca. der Hälfte der Befragten nicht bekannt.

Besonders erschreckend ist, dass 73% der Ärzte und 57% der Pflegekräfte nicht wissen, dass durch gründliches Händewaschen das Übertragungsrisiko minimiert werden kann.

Dass die Hauptursache für die Entstehung von multiresistenten Keimen im sorglosen und falschen Einsatz von Antibiotika zu suchen ist, ist 86% der Ärzte und 88% der Pflegekräfte bewusst. Fast alle Befragten sind der Meinung, dass zu häufig Antibiotika verordnet werden.

Nach Betrachtung aller Ergebnisse zeigt sich, dass die Ärzte minimal besser aufgeklärt sind als Pflegekräfte. Dieses Ergebnis widerlegt jedoch unsere Ausgangshypothese.

Wer sich noch für weitere Ergebnisse des Forschungsprojektes interessiert, kann sich an die betreuenden Lehrkräfte Cordula Kokerbeck (cordula.kokerbeck@remove-this.bzsth.de) oder Doris Lummer (doris.lummer@remove-this.bzsth.de) wenden.

Eine ausführliche Literaturliste kann bei den Verfasserinnen eingeholt werden.
Verfasserinnen:  Cordula Kokerbeck & Doris Lummer

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