05.05.2014: Besichtigung der Knochenmarkstransplantationseinheit der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) Großhadern

Als Ziel unserer viertägigen Studienfahrt im November 2013 entschieden wir uns für München. Nicht nur die Olympiastätten und die Vielzahl an Museen, sondern besonders die beiden Universitätskliniken und weitere Krankenhäuser der Maximalversorgung, reizten uns an der Landeshauptstadt Bayerns.

Wir besichtigten zum einen das Stadtkrankenhaus in Schwabing, mit der Quarantänestation für hochansteckende Krankheiten und zum anderen die Klinik der Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) in Großhadern. Das ca. 2000 Betten große Krankenhaus versorgt mit 44 Kliniken und etwa 9000 Mitarbeitern, davon 3.500 Pflegende und 1.800 Ärzte, rund 500.000 ambulante und stationäre Patienten jährlich.

Im Uniklinikum erhielten wir eine Führung  auf der Knochenmarktransplantationseinheit (KMT) durch die leitende Stationsschwester.

Die KMT setzt sich aus den Stationen L21 und M21 zusammen, die jeweils zwölf Betten besitzen und von Onkologen bzw. Hämatologen geleitet wird. Sie behandeln Patienten mit akuter und chronischer Leukämie und weiteren Bluterkrankungen, wie z.B. Plasmozytome. Die Erkrankten werden vor der  Transplantation von gespendetem Knochenmark oder Stammzellen aus speziellen Entnahmeverfahren stationär aufgenommen. Bevor sie die gesunden Spenderzellen erhalten, wird das erkrankte Knochenmark der Patienten gezielt durch Medikamente und Bestrahlung zerstört, um ein bestmögliches Heranwachsen des neuen Spendermaterials zu ermöglichen. Leider  sind eine Verschlechterung des Allgemeinzustands und eine hohe Infektionsgefahr der Patienten eine Folge dieser Therapie. Daher bleiben die Patienten nach der Transplantation zur Überwachung und Weiterbehandlung mehrere Wochen auf der Station.

Wir besuchten die Station M21, auf der 15 Pflegende im 3-Schichtsystem arbeiten. Die Intensivzimmer sind mit Schleusen ausgestattet und die Pflegenden handeln nach den Kriterien der Umkehrisolierung. Genauer bedeutet es, das Tragen von Kittel, Haube und Mundschutz bei Betreten des Zimmers, um den Patienten vor potentiellen Erregern von außen zu schützen. Außerdem werden Besuche in den ersten Tagen auf Familienangehörige begrenzt, Medikamente unter keimarmen Apparaten (Lamina-Flow) vorbereitet und persönliche Gegenstände vor dem Zimmer gründlich desinfiziert. Dennoch erhalten die Räume einen individuellen Charme durch Fotos und Gegenstände aus dem privaten Umfeld der Patienten.

Aufgabe der Pflegenden ist, die Patienten und Angehörigen zu Hygienemaßnahmen anzuleiten und zu beraten. Sie achten auf erste Zeichen einer potentiellen Infektion und unterstützen die Erkrankten individuell bei der täglichen Pflege. Außerdem ist durch die Krebserkrankung und die lange Isolationszeit eine seelisch-psychische Begleitung ein weiteres Aufgabenfeld der Pflege.

Prophylaxen zur Vermeidung von Atem- und Harnwegsinfekten stehen besonders im Focus des Fachpersonals für Onkologie. Erstaunlich war für uns vor allem die sehr kritische Indikationsstellung beim Legen eines Blasenkatheters.

Verbessert sich der Allgemeinzustand des Patienten, kann er sein Zimmer mit Mundschutz verlassen und sich auf der Station aufhalten. Uns sind besonders auch die vielen Filmposter und ein Fotoportrait aller Mitarbeiter aufgefallen, welche die ansonsten intensivmedizinisch-eingerichtete Station freundlicher wirken ließen. Auf Nachfrage wurde uns jedoch erzählt, dass es leider aufgrund des kritischen Zustands nach der Transplantation kaum zu gemeinschaftlichen Aktionen der Patienten im Stationsalltag käme.

Hat sich die Gesundheit der Patienten weiter gesteigert, ist eine Entlassung mit möglicher Anschlussbehandlung der nächste Schritt der Genesung. Die KMT bleibt aber weiterhin ein enger Partner in medizinischer und pflegerischer Betreuung.

Insgesamt war der Besuch des Uniklinikums für uns ein guter Einblick in eine Station mit speziellem Behandlungsschwerpunkt und in die Arbeit eines Krankenhauses der Maximal-versorgung. So verließen wir München mit vielen neuen Eindrücken und wertvollen Erinnerungen. Hinsichtlich unseres Examens waren die Besichtigungen eine gute Anregung zur weiteren Zukunfts- und Berufsplanung.

Piet ten Thoren (E Oktober 2011)

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