02.06.2014: Warum fühlen sich einige Schüler mehr, andere weniger in der Ausbildung belastet? Forschungsbericht EK August 2011

Wir, der EK August 2011, haben uns im Rahmen des Unterrichtes Pflegewissenschaft die Frage gestellt, warum sich einige Schüler mehr, andere weniger in der Ausbildung belastet fühlen und wollten herausfinden, wo die Gründe dafür liegen.  Nach langen Überlegungen haben wir uns dafür entschieden, dass wir speziell die theoretische Ausbildung in den Blick nehmen wollen. Grund dafür ist, dass in der Ausbildung zur/m Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger/In der theoretische Anteil im Gegensatz zu anderen Ausbildungsberufen vergleichsweise hoch ist. Schließlich haben wir erkannt, dass das Lernen durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein, welches unser Interesse dafür geweckt hat,  diese genauer zu ermitteln.

Durch unser Projekt und den daraus resultierenden Ergebnissen wollen wir zeigen, dass das Lernen in der theoretischen Pflegeausbildung durch vielfältige Einflussfaktoren mitbestimmt wird.

Nach längerem Überlegen sind wir zu folgender Forschungsfrage gelangt:

„Welche Faktoren beeinflussen das Lernen in der theoretischen Ausbildung zur/m Gesundheits- und (Kinder-) KrankenpflegerIn am Bildungszentrum St. Hildegard und an der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeschule des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück?“

Im Unterricht haben wir uns mit dem Forschungsprozess befasst, welcher uns klare Richtlinien für unser Projekt vorgab. Um der oben beschriebenen Forschungsfrage nachzugehen, haben wir uns für einen quantitativen Forschungsansatz entschieden. Dabei  haben wir uns darauf verständigt, die anderen Kurse, die sich in der Ausbildung zur/m Gesundheits- und Kinder-/ KrankenpflegerIn befinden, mittels eines Fragebogen in die Studie als Teilnehmer einzubeziehen.

Um die Fragen für unseren Fragebogen aufstellen zu können, haben wir uns zunächst in das Literaturstudium begeben.  Unter Anderem haben wir dabei die Ver.di Ausbildungsstudie und das Curriculum unserer Ausbildungsstätte näher betrachtet.  Besonderes Augenmerk legten wir zudem auf die Studie des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes e.V. (DEVK), da dort bereits viele belastende und fördernde Faktoren in der theoretischen Pflegeausbildung aufgeführt wurden. Als belastend wurde dabei neben der Klassengröße auch Lärm jeglicher Art aufgeführt. Fördernd hingegen wurden  qualifizierte Dozenten und die Atmosphäre im Kurs beschrieben. Diese gaben uns eine gute Hilfestellung für die Formulierung unserer Fragen und ermöglichte uns damit eine empirische Forschung.   

Nach Zusammenstellung unseres Fragebogens, haben wir diesen in sieben Kursen verteilt und damit 150 Einstellungen in Erfahrung bringen können.  Um einen möglichst genauen und objektiven Eindruck zu bekommen, nutzen wir vor allem die Likert Skala sowie Ja/Nein Fragen.

Im Anschluss trugen wir die Antworten der Klassen zusammen und brachten diese in Tabellenform.

Hierfür verglichen wir die gegebenen Antworten in Bezug auf den zukünftigen Berufsabschluss (Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – Gesundheits- und Krankenpflege), das Ausbildungsjahr der Kurse, den Schulabschluss der Schüler, das Alter, die Integrierten Kurse (gemeinsame Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege), sowie den reinen Erwachsenenpflegekurse untereinander.

Nach den Auswertungen sind wir auf Ergebnisse gekommen, die uns zum Teil überraschten.

So haben wir herausgefunden, dass der Leistungsdruck in der theoretischen Ausbildung bei Schülern mit einem Realschulabschluss durchaus höher ist als bei Schülern mit einem Fachabitur bzw. Abitur. Eine mögliche Begründung dafür ist, dass Schüler mit zuvor höherem Schulabschluss mehr Leistungsdruck gewohnt sind und der Umgang mit diesem Druck bereits erlernt wurde. Der Leistungsdruck wird unter Anderem durch die hohen (gesetzlichen) Anforderungen im Zwischenexamen/ Examen ausgelöst  

Durch die gesetzlichen Anforderungen des Zwischenexamens / Examens fühle ich mich einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt.

Überraschend war dann wiederum, dass der zusätzliche Lernaufwand, den die Schüler neben der Schule aufwenden, mit ein bis zwei Stunden in der Woche als relativ gering einzuschätzen ist.

Außerdem haben wir die Leistungserfassungen in der Ausbildung betrachtet. Hier war auffällig, dass das Abprüfen von mehreren Unterrichtsinhalten in einer Klausur, sowie die Vielzahl der Klausuren, die Schüler vor eine hohe Herausforderung stellt. Auch wurde genannt, dass die Abstände zwischen den Klausuren als nicht angemessen empfunden werden.

In diesem Zusammenhang testeten wir die Schüler auf ihr subjektives Empfinden, indem wir sie schätzen ließen,  wie viele Klausuren und Unterrichtsinhalte in der 3-jährigen Ausbildung  abgefragt werden. In der Auswertung stellten wir fest, dass sowohl die Anzahl der Klausuren als auch die abgefragten Unterrichtsinhalte weitaus höher eingeschätzt wurden, als sie tatsächlich sind.

Des Weiteren fragten wir die Schüler, welche Faktoren die Schüler als belastend bzw. fördernd empfinden. Wobei wir auch hier überraschende Ergebnisse bekamen.

Faktoren wie Lärm, Handynutzung oder das Arbeitsklima in der Schulklasse wurden kaum als belastend angegeben. Bei den fördernden Faktoren hingegen wurden eine kleine Klassengröße sowie sachkundige Dozenten angegeben. Die Relevanz des fördernden Faktors „ Sachkundige Dozenten“ nimmt mit den Ausbildungsjahren erheblich zu. Die Unterkurse wiederum profitieren von einem praxisnahen Unterricht.

Als Fazit können wir sagen, dass sich unsere Hypothesen teilweise bestätigt haben, wir aber auch von den Ergebnissen überrascht wurden und wir insgesamt zu neuen Erkenntnissen gelangt sind. Die theoretische Ausbildung löst bei vielen Schülern einen hohen Leistungsdruck aus, der sich aber teilweise im subjektiven  Stressempfinden vieler  Auszubildender begründet. So wird der Arbeitsaufwand höher eingeschätzt als er tatsächlich ist. Hier spielen möglicherweise subjektive Stresstheorien eine Rolle.
Begleitet haben das Forschungsprojekt: Katharina Reckels und Almut Verwolt  

Zurück zum Seitenanfang