17.01.2012 Auslandseinsatz in Wien

In der Zeit vom 1.10. bis 4.11.2012 absolvierte ich einen Auslandseinsatz im Universitätsklinikum der Stadt Wien, dem AKH (Allgemeines Krankenhaus Wien).

Das AKH ist in 26 Universitätskliniken unterteilt, die sich wiederum in 36 klinische Abteilungen gliedern. Zudem gibt es im AKH mehr als 300 Spezialambulanzen. Insgesamt arbeiten hier über 9000 Menschen, davon ca. 1500 Ärzte und 3000 Pflegekräfte. Das Haus verfügt über 2143 Betten (Stand September 2010). Für die Medizinstudenten befindet sich direkt am AKH angeschlossen ein Studienzentrum.

Die Kinder-und Jugendheilkunde ist in einem Nebengebäude des AKH untergebracht. Hier sind die Fachbereiche Kindernephrologie, Neuroonkologie, Neurologie, Kardiologie, Neonatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Pulmologie, Chirurgie sowie eine IMC-Station und zwei Intensivstationen (Neonatologie und Pädiatrie) zu finden. Des Weiteren gibt es an einem nahegelegenen Standpunkt eine Kinder- und Jugendpsychiatrie.

 

Ich selbst habe meinen Einsatz auf der kinderkardiologischen Station, der E8, absolviert. Hier werden Kinder von 0-18 Jahren mit unterschiedlichsten Arten von Herzerkrankungen versorgt. 

Typische Krankheitsbilder für die E8 sind angeborene Herzfehler wie die Fallot´sche Tetralogie, die Transposition der großen Arterien, Ventrikel-oder Atriumseptumdefekte, Herzklappenfehler, Aortenisthmusstenosen oder hypoplastische Linksherzsyndrome. Des Weiteren kommen auch häufig Patienten mit erworbenen Herzfehlern bzw.-erkrankungen auf die Station, wie z.B. mit Kardiomyopathien oder diversen Entzündungen des Herzens wie Myokarditis oder Endokarditis. Auch Herzrhythmusstörungen werden behandelt. Für mich war besonders das Miterleben der postoperativen Versorgung von herztransplantierten Kindern sehr interessant.

Bedingt dadurch, dass das AKH viel Geld für Freibettenfond-Patienten aufbringt und durch die relativ süd-östliche Lage Österreichs in Europa sind im AKH viele Patienten aus Rumänien, Kroatien, dem Irak oder anderen östlichen Staaten zu Gast. Da die medizinische Versorgung in diesen Ländern deutlich schlechter ist als wir es hierzulande gewohnt sind, trifft man hierbei oft auf Patienten mit irreversiblen Herzschäden und Langzeitfolgen von Herzerkrankungen, diesbezüglich sind beispielsweise Langzeithypoxiefolgen wie Trommelschlegelfinger oder Uhrglasnägel zu beobachten. Diese Patienten sind auf eine Herztransplantation angewiesen, da sie aber zumeist Selbstzahler sind (bzw. ihre Eltern) ist  die Transplantation oder die medizinische Versorgung (Immunsupressiva…) im Nachhinein oft nicht finanzierbar. 

In der Zeit meines Einsatzes arbeitete ich im Zweischichtsystem des AKH mit. Ein Dienst dauert hier (wie in allen Krankenhäusern Österreichs) 12,5 Stunden; der Tagdienst beginnt um 7.00 Uhr und endet um 19.30 Uhr, der Nachtdienst dauert von 19.00 Uhr bis 7.30 Uhr. 

Festgelegte Pausenzeiten gibt es dabei nicht, wenn das Arbeitspensum es aber erlaubt, ist es durchaus möglich, sich zwischendurch auszuruhen oder etwas zu essen. An anderen Tagen arbeiten die Schwestern und Pfleger jedoch 12,5 Stunden „non-stop“, was laut  Aussagen des Pflegepersonals sehr belastend ist. Deshalb arbeiten die Pflegekräfte in der Regel nicht mehr als zwei Tage am Stück und zudem ausschließlich mit Kompressionsstrümpfen. Dennoch ist für die meisten von ihnen ein Dreischichtsystem wegen der häufigen Dienste unvorstellbar, das Zweischichtsystem „locke eher viele in den Pflegeberuf“, so eine Auszubildende der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Auf der Kinderkardiologie kommt das Patientenklientel als weiterer wichtiger belastender Faktor hinzu. Die Kinder sind oft Langzeitpatienten oder schon seit frühen Kindertagen in Behandlung. Zwar gibt es durchaus auch Erfolgserlebnisse, doch werden die Kinder laut einer Schwester von Besuch zu Besuch „eher schlechter“ als dass eine Besserung auf die Dauer zu verzeichnen sei. Zudem liegen auf der Station auch Patienten, die dringend ein neues Herz benötigen und oft lange warten müssen, z.T. sind dann die Gefäße bereits zu stark geschädigt, als dass ein neues Herz ihre Situation langanhaltend verbessern könnte oder die Kinder sind schon zu schwach für eine Operation. Zudem ist ein transplantiertes Herz bekanntermaßen in seiner Funktionsdauer begrenzt, wodurch eine Transplantation besonders bei den sehr jungen Patienten mit neuen Sorgen verbunden ist.

Als Praktikantin bestand meine Aufgabe in erster Linie darin, bei meiner zugeteilten Mentorin mitzugehen, zuzugucken und zu hören und ihr ggf. bei einfacheren Aufgaben zur Hand zu gehen (Sondieren, Baden, Wiegen, Vitalzeichen ermitteln, Essen verteilen…). Selbiges tun übrigens auch die Krankenpflegeschüler die meiste Zeit ihrer Ausbildung – selbstständiges Arbeiten steht eher im Hintergrund. Dennoch konnte ich meinen Kenntnisstand bezüglich der Versorgung von herzkranken Kindern allgemein, aber auch im Speziellen in der Pflege von Drainagen (Pleura-, Mediastinum- und Aszitesdrainagen), transurethralen Dauerkathetern, Broviak-Kathetern und OP-Wunden erweitern. Ich habe weiterhin viele Herzmedikamente kennengelernt und mich im Umgang mit der ZVK-Pflege weiterbilden können. Darüber hinaus wurden mir Hospitationen bei Herzkatheteruntersuchungen, bei einer Defibrillation und bei der Anlage von Zentralen Venenkathetern ermöglicht.

Da der Stationsablauf sowie die Pflegestandards sich deutlich von dem mir Gewohnten unterscheiden und ich ja ohnehin einen Großteil der Zeit mit einer Schwester mitgelaufen bin, hatte ich entsprechend viel Anleitung.

Besonders aufgefallen sind mir hierbei Unterschiede in der Hygiene hinsichtlich des Tragens von Handschuhen und der Isolation von Patienten.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Pflege an sich: Konzepte wie Kinästhetik oder Basale Stimulation werden weit weniger umgesetzt als in Deutschland. Eine Schülerin erzählte mir, dass die Techniken in der Schule zwar vermittelt würden, aber nur schwer in den Alltag zu übernehmen seien. 

Positiv aufgefallen ist mir beispielsweise, dass es gesonderte Spritzen für das Sondieren von Medikamenten mit Schraubverschlüssen, die nur mit dem Sondenende kompatibel sind, gibt, damit es zu keinen Verwechslungen zwischen intravenösen und oralen Medikamenten kommen kann.            
Weiterhin sind die Aufgaben auf der Station genau zugeteilt, d.h., dass es Personal extra für die Küche und Essensausgabe, für die Bettenaufbereitung, für die Reinigung der Zimmer und den Patiententransport gibt, die diese Aufgaben ausschließlich übernehmen. Zwei Schwestern sind nur für Organisatorisches und administrative Aufgaben im Dienst, eine Schwester zieht Infusionen auf und füllt sämtliche Schränke nach und vier Schwestern arbeiten direkt am Patienten. Unter den Schwestern auf der Station gibt es jeweils eine ausgebildete Wundmanagerin, eine Schmerzmanagerin, eine Reanimationstrainerin, eine Praxisanleiterin und eine Hygienebeauftragte. 

Als Fazit sehe ich den praktischen Einsatz auf der kinderkardiologischen Station als große persönliche Bereicherung an. Jeden Tag gab es diverse Situationen, in denen ich deutsche und österreichische Arbeitsweisen und Abläufe vergleichen und reflektieren konnte. Zudem sah ich mich täglich mit ethischen Konflikten konfrontiert und musste mir immer wieder eine Meinung über unterschiedlichste Probleme bilden. Auch der Umgang mit Eltern totkranker Kinder hat meine zwischenmenschlichen Kompetenzen gefordert und gefördert

Den theoretischen Teil meines Auslandseinsatzes absolvierte ich an der Schule für Kinder-und Jugendlichenpflege am AKH. In zwei Blöcken erarbeiteten wir hier anhand von Fallbespielen Inhalte zum Thema „Schreibaby“ und Stomapflege. (Lisa Werner, EK Oktober 2010)

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