Eine zu spät erkannte Bauchschlagadererweiterung kann schwere Folge haben. Darauf weist Chefarzt Prof. Dr. Jörg Heckenkamp, Marienhospital Osnabrück und Christliches Klinikum Melle der Niels-Stensen-Kliniken (Gefäßchirurgie), in der NDR-Sendung Visite hin, die jetzt in der NDR-Mediathek zu sehen ist.
Der Chefarzt und Direktor des Zentrums für Gefäßchirurgie erläutert in der Sendung, dass das Risiko, dass ein Aneurysma reißt, bei Frauen höher sei, als bei Männern. Prof. Dr. Heckenkamp ruft zur Vorsorge auf: Für Männer über 65 Jahren gebe es seit 2018 die Möglichkeit eines einmaligen Ultraschall-Screenings im Rahmen der offiziellen Früherkennungsuntersuchungen, für Frauen aber offiziell noch immer nicht. Und das, obwohl das Bauchaortenaneurysma bei Frauen gefährlicher sei als bei Männern. Denn deren Wandstruktur der Schlagaderwand sei anders beschaffen als bei Männern und entsprechend häufiger komme es bei vorliegenden Risikostrukturen bei Aussackungen zu Rissen.
Ultraschalluntersuchungen seien bei fast jedem Hausarzt möglich. Sie könnten Leben retten, betont der Mediziner.
Ein Bauchaortenaneurysma entwickele sich absolut symptomfrei, so der Chefarzt. „Die Betroffenen merken also rein gar nichts davon.“ Bei sehr schlanken Personen lasse sich das Bauchaortenaneurysma häufig ertasten oder sogar an dessen Puls erkennen. Meistens aber werde es zufällig festgestellt.
Neben einer erblichen Komponente gehöre Nikotinkonsum zu den Risikofaktoren eines Bauchaortenaneurysmas, ebenso Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen, so Prof. Dr. Heckenkamp.
Die Therapie setze zunächst auf die Risikominderung: „Wir stellen Blutdruck und andere Herz-Kreislauf-Faktoren optimal ein.“ Auch auf das Rauchen solle der Betroffene verzichten.
Desweiteren könne ein operativer Eingriff durchgeführt werden, wenn das Bauchaortenaneurysma einen Querdurchmesser von mehr als 5,5 Zentimeter habe. Bei einem schnellen Aneurysmen-Wachstum gerade bei Frauen empfehle sich ein entsprechender Eingriff aber auch mitunter bereits schon vorher.
Die Operationen werden laut Prof. Dr. Heckenkamp meistens per „Schlüsselloch-OP“ realisiert. Den Patienten werde eine beschichtete Stentprothese durch die Leistenschlagader implantiert.