„Ich höre ganz neue Klangwelten“

MHO - Marienhospital Osnabrück

Erstmals in der Region wurde am Marienhospital Osnabrück ein Hörgerät im Mittelohr implantiert

Osnabrück. Für Ingrid Dellbrügge aus Ibbenbüren sind neue Zeiten angebrochen. Sie ist eine der ersten Patienten in der Region, die ihr Hörgerät nicht wie üblich hinter dem Ohr, sondern im Mittelohr und unter der Kopfhaut trägt. „Eine Operation mit großer Wirkung“, sagt Privatdozent Dr. Konrad Sommer, Chefarzt der HNO-Klinik der Niels-Stensen-Kliniken am Marienhospital Osnabrück.

„Seit fünf Jahren probiere ich alle erdenklichen Hörgeräte aus, doch keines hat bisher geholfen“, berichtet die Patientin. Dann habe sie gehört, dass ein implantierbares Hörgerät gegebenenfalls die Lösung sein kann. „Ich ließ es auf einen Versuch ankommen, denn ich hatte nichts zu verlieren“, sagt die Ibbenbürenerin.

Am Marienhospital wurde das neue Gerät aber noch nicht sofort eingesetzt, sondern zunächst getestet. „Dieser Test hat mich überzeugt, der Operation zuzustimmen“, so die Patientin.

Und die verlief optimal: „Ich konnte nach wenigen Tagen nach Hause“, sagt Ingrid Dellbrügge, die sich schnell an den „kleinen Mann“ am und im Kopf gewöhnt hat. „Ich trage das Gerät den Tag über und habe längst vergessene Klangwelten wieder gehört“. Vorher hätten die Hörgeräte dagegen ihr Dasein meistens auf der Fensterbank gefristet. Vom Klang der Hörhilfe ist Frau Dellbrügge fasziniert: „Ich höre alles viel natürlicher und wesentlich besser als mit herkömmlichen Hörgeräten“.

Frau Dellbrügge ist glücklich, denn „früher konnte ich kaum telefonieren und auch bei großen Versammlungen verstand ich fast nichts“. Der Grund war bei ihr wohl ein Übertragungsfehler im Innenohr. Das gehört zum Glück jetzt der Vergangenheit an.

Das neue Hörgerät ist auch für Menschen interessant, die aus medizinischen Gründen herkömmliche Hörhilfen nicht tragen können, wie zum Beispiel nach mehrfachen Operationen am Mittelohr. Zudem sind sie eine gute Alternative, wenn die Ohrpassstücke normaler Hörgeräte die Gehörgänge reizen und dort Entzündungen oder Ekzeme auslösen.

Das neue System besteht aus der Kombination eines inneren Implantates, eines Masseverstärkers, der an der Gehörknöchelchenkette befestigt wird und einem externen Teil, der auch Audioprozessor genannt wird. Dieser wandelt den Schall in Signale um, die dann zum implantierten Verstärker übertragen werden. Per Magnetkraft wird der Audioprozessor direkt hinter der Ohrmuschel gehalten und kann somit nahezu unsichtbar unter dem Haar getragen werden.

In einer rund zweistündigen Operation wird das Hörgerät im Mittelohr eingepflanzt. Dabei wird das Implantat mikrochirurgisch an den Gehörknöchelchen verankert. Als Vorteile des neuen Systems nennt Dr. Sommer: „Ein Hörmimplantat verfügt über eine deutlich stärkere Leistung, vermittelt einen besseren Klang und hat ein breiteres Frequenzspektrum. Besonders für Patienten, die unter einer kombinierten Schwerhörigkeit leiden, die am Ohr voroperiert sind oder mit herkömmlichen Hörgeräten nicht zurecht kommen, eignet sich das neue System“.

 

 

 

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