Fit für die Herz-Lungen-Wiederbelebung

MHO - Marienhospital Osnabrück

Niels-Stensen-Kliniken trainierten rund 200 Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums

Osnabrück. In einem Pilotprojekt sind in Osnabrück erstmals rund 200 Schüler  in der Herz-Lungen-Wiederbelebung trainiert worden. „Ziel der groß angelegten Aktion war es, Berührungsängste bei den Acht- bis Zehntklässlern des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums Osnabrück abzubauen und sie fit für die Reanimation zu machen“, erläuterte Dr. Christian Gottkehaskamp, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin / Kardiologie der Niels-Stensen-Klinken Marienhospital Osnabrück (MHO).

 

Das MHO und das Bildungszentrums St. Hildegard der Niels-Stensen-Kliniken haben das Projekt gemeinsam mit dem Graf-Stauffenberg-Gymnasium auf den Weg gebracht. Einen Vormittag lang nahmen die Schüler an einer Theorie-Einweisung und an praktischen Übungen teil, die das Gelernte auch alltagstauglich machen sollten.

 

Geübt wurde mit acht Reanimationspuppen. Studenten des Bildungszentrums St. Hildegard erläuterten den Schülern das richtige Vorgehen und begleiteten die praktischen Übungen wie die Herzmassage.

  

Die Schüler hatten nicht nur große Freude an der Aktion, sondern bekundeten auch, viel gelernt zu haben, was sie auf anderem Wege nicht vermittelt bekommen hätten. Sie fühlten sich jetzt in der Lage, zu helfen, wenn es einmal drauf ankommen sollte.

„Ich habe zwar schon einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, habe aber jetzt noch viel dazu gelernt“, so Abiturient Nico Spreen (18): „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass man auf die Beatmung auch verzichten kann.“ Bildungszentrum-Studentin Christin Ott bestätigte, dass die Beatmung oft schwierig sei für Ungeübte.  Ein anderer Schüler fragte, was passiere, wenn man zu stark drücke. Es könne nichts Gravierendes geschehen, lautete die Antwort. Selbst wenn schlimmstensfalls eine Rippe gebrochen werde, sei das weniger dramatisch, als wenn der Verletzte sterbe.

 

“Wir freuen uns, dass wir die Schüler darauf vorbereiten konnten, beherzt und ohne Scheu auf eine Notsituation zuzugehen und Erste Hilfe zu leisten“, sagte Dr. Gottkehaskamp. Die Aktion sei als Pilotprojekt gedacht, das einen Anstoß für künftige regelmäßige Herz-Lungen-Wiederbelebung-Aktionen an Schulen geben könne, erklärte er. So solle die Popularität der Reanimation wie in Skandinavien deutlich gesteigert werden. In Deutschland würden nur 17 Prozent der Betroffenen von Laien reanimiert, in den Niederlanden und Skandinavien seien es bis zu 70 Prozent. Dort sei die Herz-Lungen-Wiederbelebung fest in den Unterricht integriert.

 

Der Deutsche Rat für Wiederbelebung arbeitet zurzeit an Leitlinien für die Schulung von Kindern und Jugendlichen. Kinder im Alter von zwölf bis 13 Jahre sind erfolgreiche Lebensretter. Sie sind mit Herz-Kreislauf-Wiederbelebungsmaßnahmen schnell vertraut, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Jugendliche haben demnach sowohl die körperlichen Voraussetzungen für eine ausreichend kräftige Herz-Druck-Massage, als auch die notwendige Begeisterung dafür.

 

Der plötzliche Herztod stellt in Europa eine der Haupttodesursachen dar, von der pro Jahr etwa 700 000 Personen betroffen sind. In Deutschland erleiden rund 100.000 – 150.000 Menschen einen plötzlichen Herztod. Die Überlebensrate der Betroffenen ist gering. Der Hauptgrund dafür liegt im Faktor Zeit. Um erfolgreich zu sein, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen unverzüglich einsetzen, am besten bereits durch Augenzeugen.

 

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