Familien von Krebskranken von Anfang an einbeziehen

MHA - Marienhospital Ankum Bersenbrück

Bundesweit erstmaliger Modellversuch von Universität Osnabrück und Niels-Stensen-Kliniken

Georgsmarienhütte/Osnabrück. Familien von Krebskranken sollen künftig von Anfang an in die Pflege des Erkrankten einbezogen werden. Dazu starten die Universität Osnabrück und die Niels-Stensen-Kliniken (Zentrum für Onkologie und Hämatologie) jetzt einen bundesweit erstmaligen Modellversuch.

„Denn eine Krebserkrankung betrifft nicht nur die erkrankte Person, sondern auch diejenigen, die ihr nahe stehen", erläutert Prof. Dr. Hartmut Remmers (Universität Osnabrück, Arbeitsgruppe Pflegewissenschaft), der das Projekt leitet. „Angehörige können psychisch ebenso stark belastet und hilflos sein wie der Erkrankte selbst“, sagt Prof. Dr. Dr. Jens Atzpodien, Chefarzt der Klinik für internistische Onkologie und Hämatologie am Franziskus-Hospital Harderberg und Direktor des Zentrums für Onkologie und Hämatologie der Niels-Stensen-Kliniken: „Sie können dadurch zu einer zusätzlichen Belastungsquelle der krebskranken Person werden.“

Der Modellversuch soll nun nachweisen, dass eine familienbezogene Pflege Krebserkrankter und ihrer Angehörigen eine messbare Entlastung und Zufriedenheit bringt. Dazu sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen: So ist geplant, im Aufnahmegespräch mit einem Familienangehörigen familiäre Themen, persönliche Belange und Probleme sowie eventuelle Überforderungen und Ängste verstärkt zur Sprache zu bringen.

„Neu sind auch systematisch vorbereitete Entlassungen, die von Anfang an den Blick auf die Situation nach dem Krankenhausaufenthalt richten“, berichtet Schwester Maria Manuela (Pflegedienstleitung Franziskus-Hospital Harderberg). Dabei gehe es auch um die Herausforderungen, die sich durch die Krankheit für unmittelbar Betroffene und ihre familiären Pflegepersonen ergäben. Ermittelt werde, „welchen Informations- und Anleitungsbedarf sie konkret haben“.

Über die reine Informationsvermittlung hinaus stehe auch der psycho-emotional unterstützende Ansatz häuslicher Pflege im Mittelpunkt, weiß Ruth von der Haar (Stationsleitung Franziskus-Hospital Harderberg). Bei Bedarf werde der Kontakt zum Sozialdienst oder zu psychoonkologischen Experten hergestellt.

Die entscheidende Frage, die in dem Modellversuch geklärt werden soll, ist laut Prof. Dr. Remmers, welche gegenseitigen Erwartungen unmittelbar Betroffene und ihre pflegenden Angehörigen haben, welche Rollen sie sich gegenseitig zuschreiben, welche Überforderungen damit möglicherweise zu erwarten sind und wie diese gemildert oder umgangen werden können.

Der Modellversuch soll im Ergebnis Hinweise für eine systematische Vorgehensweise bringen, „die alle Beteiligten im Krankenhaus, in der Familie und jene aus begleitenden Einrichtungen einbezieht“, wünscht sich Prof. Dr. Atzpodien. So könne ein für alle positiver Umgang mit der Krankheit erreicht werden.

Am Projekt sind auch zwei onkologische Schwerpunktpraxen beteiligt. Die Finanzierung der wissenschaftlichen Begleitforschung erfolgt durch die Deutsche Krebshilfe e.V.

 

 

 

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