Er sieht seine Patienten nicht

MHO - Marienhospital Osnabrück

Bruno Hackstedt aus der Physiotherapie des MHO ist blind

Osnabrück. Bruno Hackstedt sieht die Patienten nicht, die er behandelt. Der Mitarbeiter der Physiotherapie im Marienhospital Osnabrück (MHO) der Niels-Stensen-Kliniken ist von Geburt an stark sehbehindert und seit etwa zehn Jahren komplett erblindet.

Behandlungen wie Lymphdrainage oder Massagen macht er mit Freude und Perfektion. Nicht möglich sind für ihn aber zum Beispiel Kurse im Bewegungsbad, „da ich durch meine Behinderung ja notfalls niemanden retten kann“. Außerdem sei es bei Behandlungen im Bewegungsbad und bei anderen krankengymnastischen Therapien wichtig, Patienten kontrollieren und korrigieren zu können sowie Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

Dennoch liebt Bruno Hackstedt seinen Beruf seit seiner Ausbildung sehr und hat gelernt, mit seiner Erblindung im Beruf und im Privatleben gut zurechtzukommen: Seine Ausbildung zum Masseur und zum medizinischen Bademeister hat er 1978 in Mainz an der Reha-Schule für Physiotherapeutische Berufe absolviert, da diese für blinde und sehbehinderte Therapeuten speziell ausgestattet ist.

„Damals wurde der theoretische Unterricht noch mit einem Kassettenrekorder mitgeschnitten und die schriftlichen Arbeiten wurden auf mechanischen Blindenschrift-Schreibmaschinen getippt“, erinnert sich der Masseur: „Heute werden sowohl in der Ausbildung als auch am Arbeitsplatz moderne Computer mit Braillezeile (elektronische Blindenschrift-Module) und Screenreader (Bildschirmvorleseprogramm mit gut verständlicher synthetischer Stimme) eingesetzt.“

Auch im MHO hilft ihm die Technik: Das Krankenhaus hat in Verbindung mit dem Integrationsamt einen PC für ihn mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet. „Ich bin nun in der Lage, meine Terminpläne selbständig zu lesen und neue Termine für meine Patienten einzutragen“, so Hackstedt: „Auch kann ich ohne Hilfe behandlungsrelevante Informationen wie die Krankengeschichte, Diagnosen und Infos aus der Pflegedokumentation ohne Unterstützung der Kollegen einsehen und lesen.“

Für Röntgenbilder gibt es keine Zusatztexte, die vorgelesen werden können. Dies ist wohl in naher Zukunft nicht zu erwarten. Denn bei diesen müsste dann jedes einzelne Dokument von jemandem beschrieben und eingescannt werden.

Auch im öffentlichen Raum kommt Bruno Hackstedt gut klar. Dazu hatte er vor rund 15 Jahren ein Training bei einem Mobilitätstrainer. Auf öffentlichen Wegen ist der weiße Blindenlangstock Hackstedts ständiger Begleiter.

Aufgewachsen ist er in Stemwede-Arrenkamp, wohnt aber seit 35 Jahren in Osnabrück, „wo ich mich gut eingelebt habe und mich wohl fühle“, sagt er und fügt hinzu: „Seit elf Jahren bin ich mit meiner Frau Tanja verheiratet. Sie ist ebenfalls stark sehbehindert, kann sich aber im öffentlichen Raum noch ganz gut orientieren.“

 

 

 

 

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