„Die haben hier im MHO ein Wunder vollbracht“

NNH - Niels Stensen Natruper Holz

Einem beinamputierten Taxifahrer mit heftigen Phantomschmerzen konnte am Standort Natruper Holz geholfen werden

Ein 52-jähriger Patient lebte nach einer Oberschenkelamputation seit 2011 mit qualvollen Phantomschmerzen im linken Fuß. Alle möglichen Therapien haben nicht gefruchtet. Jetzt endlich konnte ihm am MHO, Standort Natruper Holz, geholfen werden. Er sei komplett schmerzfrei, so Herbert Esschendal aus Wilsum, der einen rund 30 Jahre langen Leidensweg mit 200 Operationen hinter sich hat. „Es war die Hölle“, sagt der Taxifahrer.

„Sie haben hier ein Wunder vollbracht“, dankt er Dr. Stefan Lauer-Riffard, Chefarzt und Sektionsleiter der Schmerztherapie im Marienhospital Osnabrück – Standort Natruper Holz, und seinem Team. Alle bisherigen Therapien an anderen Häusern seien gescheitert. Im MHO sei er schon nach 3-4 Tagen phasenweise schmerzfrei gewesen. Das habe es vorher nicht gegeben. Dieser Erfolg habe ihn motiviert, weiterzumachen.

Im vergangenen Jahr machte er am MHO zweimal eine multimodale Schmerztherapie, eine über zwei Wochen lang und eine kürzere Booster-Therapie.

Er ist kein Einzelfall: 60-80 Prozent der Patienten entwickeln nach einer Amputation Phantomschmerzen. Dem Wilsumer war nach einem Motorradunfall ein Bein amputiert worden. Denn es hatte sich plötzlich entzündet und nichts anderes ging mehr.

Dann kam der Phantomschmerz. Auch hier hat Esschendahl eine Krankenhausodyssee hinter sich, bis er an Dr. Lauer-Riffard gelangte. Der Chefarzt erläutert das Vorgehen bei der Schmerztherapie: Das Gehirn habe eine innere Landkarte, wo alle Körperteile abgebildet seien: „Schon bei der Vorstellung einer Bewegung zirkulieren elektrische Impulse zwischen dem Gehirn und der entsprechenden Region. Einen Abbruch des Signalaustausches nach einer Amputation stuft das Gehirn als Verletzung ein und sendet Schmerzimpulse, man spricht dabei auch vom Schmerzgedächtnis. Damit die entstandene Lücke auf der Landkarte geschlossen wird, findet eine komplexe Umorganisation im Gehirn statt. Je größer diese Umorganisation jedoch ist und je stärker der Schmerz vor der Amputation war, desto intensiver entwickelt sich der Phantomschmerz. Auch darf man nicht vergessen, dass das Vorliegen von Stress und depressiver Stimmung die Wahrnehmung von Phantomschmerzen noch deutlich verstärken kann“, so der Schmerztherapeut.

Um einen Phantomschmerz gezielt und effektiv zu behandeln, braucht es eine Reihe von Therapien, die aufeinander abgestimmt sein sollten. „Neben der Anwendung von speziellen Medikamenten gegen Nervenschmerzen, gehören unter anderem spezielle Therapien, wie zum Beispiel das sensorische Wahrnehmungstraining und die Spiegeltherapie zum Behandlungsprogramm“, erläutert der Chefarzt: „Durch den Einsatz eines Spiegels wird dem Gehirn - wenn auch nur optisch - vorgegaukelt, das verlorene Körperteil sei wieder da. So erhält das Gehirn wieder Impulse aus dieser Region. Die Umorganisation wird schrittweise rückgängig gemacht und das Schmerzgedächtnis nach und nach gelöscht. Dabei ist es hilfreich, während der Schmerztherapie auch einer gedrückten Stimmung und hohem Stresserleben entgegenzuwirken.“

Letztendlich sind für die Behandlung von Phantomschmerzen neben der Schmerzmedizin eine Reihe weiterer Disziplinen, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie, notwendig, um ein gutes Resultat für den Patienten zu erzielen.

Auch Herr Esschendal ist sehr zufrieden mit der Behandlung. Er hätte sich noch im letzten Jahr nicht vorstellen können, wieder dauerhaft als selbstständiger Taxiunternehmer arbeiten zu können.

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