„Die Einheit von Geist und Körper“

FHH - Franziskus-Hospital Harderberg

Sylvia Lüdtke stellt im Brustzentrum auf dem Harderberg aus

Georgsmarienhütte/Bissendorf. „Sie sind eine Grenzgängerin in Sachen Kunst, Kultur und Integration“ – mit diesen Worten kennzeichnete Chefarzt Prof. Dr. Alexander Mundinger das Schaffen der Künstlerin Sylvia Lüdtke aus Bissendorf, die bis zum 11. Juni im Brustzentrum der Niels-Stensen-Kliniken Franziskus-Hospital Harderberg unter dem Titel "Lebendig und Stark" zeitgenössische Bilder auf purem Leinen ausstellt.

Der Chefarzt hob hervor, dass die Künstlerin mit ihren im Brustzentrum ausgestellten Werken die Einheitlichkeit von Körper und Geist betone. Sie male quasi ein Manifest der Authentizität des weiblichen Körpers und stelle diese Authentizität in einen größeren Kontext.

Ihr Verständnis der weiblichen Körperlichkeit stelle auch eine Antithese zum heutigen Schönheitswahn dar, so Prof. Dr. Mundinger. In den Gesichtern der Patientinnen sei Ruhe, Zuversicht, Hoffnung zu erkennen: „Ihre Seelen sind auf der Suche nach Heil und Heilung.“

Die Künstlerin erläuterte ihre Motivation, sich mit weiblichen Körperkonzepten auseinanderzusetzen: „Es war meine Suche nach der weiblichen Seite Gottes in einer patriarchalisch geprägten Welt.“

Zu sehen ist zum Beispiel ein Frauengang, gearbeitet auf reinem Leinen mit Kohle und Acryl. Alle Frauenbildnisse  haben die Augen geschlossen: Sie scheinen zu schlafen, Kraft zu sammeln und ihren Blick nach Innen zu richten. Sie sind in innerer Achtsamkeit. Sie sammeln Kraft, ruhen sich aus.

„Als Wanderin zwischen den Welten bewege ich mich in meiner Arbeit um die Polaritäten Leben und Tod, Krieg und Frieden, Heimat und Fremde, Migration und Integration, Anpassung und Widerstand“, betont Frau Lüdtke.

Die Arbeiten sind auf Leinen gefertigt, ohne Keilrahmen. Es sind Wellen, Dellen und Falten im Gewebe, je nach Farbauftrag. Durch die Beleuchtung in den Fluren wird dieser Effekt noch verstärkt. Der Betrachter ist aufgefordert, seine Erwartung und Anforderung an sein Sehverhalten zu überprüfen: „Muss es immer glatt und perfekt sein?“, fragt die Künstlerin.

„Über die Beschäftigung mit Linien in der Schrift  begann ich in menschlichen Körperkonturen lesen zu wollen“, so Frau Lüdtke: „Ich versuche bis heute zu ergründen, ob es eine Körperschrift gibt.“ Das irdische Leben sei ein Leben im Körper, sagt sie. Der Körper sei ein Kokon, „dessen Konturen ihn von der Umwelt abgrenzen“. Der Tod sei der Zusammenbruch des Körpers, die Auflösung der Konturen, die Auflösung der Linie, die Auflösung der Kontrolle über den Körper, die Trennung von Geist und Körper: „Die Einheit von Geist und Körper findet sich in den Titeln meiner Arbeiten wieder. Frauengeistkörper habe ich alle hier ausgestellten Werke genannt.“

Viele Frauen haben es nach den Worten von Sylvia Lüdtke schwer, sich und ihren Körper so zu akzeptieren wie er ist: „Es muss so vieles an der Kontur und der Linie korrigiert  werden.“ Die Kunstausstellung befinde sich in einem Raum, „in dem viele Frauen zwischen Angst und Hoffen schwere Minuten des Wartens verbringen. Sie schweben in einem Zustand zwischen den Welten“. Die Künstlerin betont: „Ich wollte mit dieser Arbeit Mut machen, sich friedvoll mit dem Leben zu verbinden.“

Sylvia Lüdtke wurde 1963 in einer Künstlerfamilie geboren und hat Zeichnen, Aquarellieren und Malen bei ihrem Großvater Werner Lüdtke gelernt. Seit 2000 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und lebt in Bissendorf.

 

 

Zurück zum Seitenanfang