Den tiefen Glauben kann die Demenz nicht erschüttern

HSM - Altenpflegeheim Haus St. Michael

Die Mitarbeiterin der Hauswirtschaft Monika Wilker feiert im Altenpflegeheim Haus St. Michael in Ostercappeln mit den Demenzkranken Gottesdienst

Ostercappeln. „Gott hat uns seinen Zuspruch gegeben.“ Das ist für Monika Wilker, Mitarbeiterin der Hauswirtschaft in den Niels-Stensen-Kliniken Altenpflegeheim Haus St. Michael, ein Leitgedanke, den sie mit anderen teilen möchte. Wenn sie abends ihrem Dienst im Haus St. Michael nachgeht, ist das allerdings nur bedingt möglich, wie sie sagt. Deshalb organisiert sie seit Ende des vergangenen Jahres einmal monatlich einen Demenzgottesdienst mit allen Bewohnern, die teilnehmen möchten. Und das sind eine ganze Menge. Die kleine Kapelle des Altenpflegeheims ist jedes Mal gut besucht.

„Im Demenzgottesdienst erlebe ich die Heimbewohner ganz anders, als im gewöhnlichen Dienst“, sagt die Mitarbeiterin. Sie spüre, wie viel Energie und Gottesliebe in ihnen stecke, die sie im Gottesdienst ausdrücken können.

Monika Wilker ist sich sicher: Der Zuspruch von Gott ist verbunden mit einem Anspruch von Gott. Beides werde in der Taufe offenbar und begleite uns unser ganzes Leben lang: „Leben aus dem Glauben der Taufe heraus“.

Die Demenzerkrankten „sind im Laufe ihres Christ-seins diesem Anspruch gerecht geworden“, sagt Frau Wilker: „Sie haben aus dem Glauben heraus gelebt, gearbeitet, Kinder erzogen, Freud und Leid erfahren.“ Der Gottesdienst gibt ihnen die Gelegenheit, das auszudrücken und zu leben. Denn, so Frau Wilker: „Nach außen scheint es oft nur so, dass sie dem Anspruch von Gott nicht mehr gerecht werden können.“ Aber Gott habe ihnen auch den Zuspruch gegeben: „Ich werde bei Dir sein, wohin Du gehst. Ich kenne all Deine Wege. Ich segne Dich mein liebes Kind.“

„Diesen Zuspruch von Gott möchte ich für jeden Bewohner immer wieder sichtbar werden lassen“, sagt die Mitarbeiterin. Wie gelingt ihr das?

Monika Wilker bringt umfangreiche und langjährige Erfahrungen aus der Gemeindearbeit in der Ostercappelner St. Lamberti-Kirchengemeinde mit. Im Demenzgottesdienst zeigt sie eindrucksvoll, dass die Krankheit kein Hindernis für die Gottesdienstfeier ist.

Der Gottesdienst beginnt immer mit Glockengeläut. „Dann werden automatisch alle stiller.“ Anschließend stimmen alle das Lied „Großer Gott wir loben dich“ an, das klangvoll mitgesungen wird. „Manche kennen sogar alle Strophen.“ 

Die Liedauswahl fällt Monika Wilker nicht schwer: „Ich frage mich einfach, was meine Oma früher gern gesungen hat.“

Die Gottesdienste orientieren sich am Kirchenjahr oder bestimmten Anlässen. In einem der letzten Gottesdienste ging es um das Thema Maria Maienkönigin. Vor dem Altar in der Kapelle versammelten sich alle um eine mit einem Tuch gestaltete Mitte, auf dem eine Marienfigur und Engelfiguren von einer Bewohnerin standen, außerdem Kerzen, Kugeln, Maiglöckchen. Das alles zusammen ergab eine festliche, anmutige Stimmung.

Die Teilnehmer beten zur Gottesmutter. Frau Wilker zündet für die Bewohner Kerzen an, die sie vor sich aufstellen. Monika Wilker widmet alle Texte, die in dem Gottesdienst vorgetragen werden, der Gottesmutter. Und dann spricht sie mit Teilnehmern über die Mariafigur, die ein nach außen hin sichtbares Herz trägt. "Maria ist herzensgut" - bringen es die Gottesdienstteilnehmer auf den Punkt. Und sie finden vielfältige Bezeichnungen für sie: unsere Mutter, Königin, Fürsprecherin, Wegweiserin, Meeresstern, Wegbegleiter, Himmelspforte und Morgenstern.

Dann beten alle ein „Gegrüßet seiest du Maria“. „Ich bin immer wieder überrascht, wie tief die Verse in den Demenzkranken verankert sind, ähnlich ist das beim Vater unser“, so Monika Wilker. Das zeuge von einem tiefen Glauben, den auch die Demenz nicht erschüttert.

Der Gottesdienst endet mit dem Schlusslied „Segne Du Maria“, das wieder alle mit anstimmen können.

Immer wieder gebe es in den Gottesdiensten rührende Szenen, so Frau Wilker. „Ich möchte meinen Mann noch mal sehen“, wünschte sich eine Frau. Er starb vor rund 20 Jahren. „Ich hab für sie gebetet, dass sie ihn im Paradies wiedersieht“, sagt die Gottesdienstinitiatorin. Da huschte ein Lächeln über das Gesicht der alten Frau. Monika Wilker: „Hätte ich ihr gesagt, dass er tot ist, dann hätte sie geweint.“ Ein anderer Bewohner wünschte sich, dass seine Kinder zu Gott finden.

Und noch etwas rührt Monika Wilker immer wieder: Die Dankbarkeit der Bewohner: Sie erlebt die Gottesdienstes als ein Schenken und Beschenkt werden.

Die Heimleiterin Schwester M. Gabrielis ist froh, "in Frau Wilker eine Mitarbeiterin gefunden zu haben, die mit Freude und aus innerer Überzeugung sowie mit viel Liebe und Kreativität die Gottesdienste organisiert. Ein Segen für alle im Altenpflegeheim Haus St. Michael!"

 

 

 

Zurück zum Seitenanfang