Dank für das Zugehen auf die Menschen

SRO - Krankenhaus St. Raphael

Weihnachtsgottesdienst mit Weihbischof Wübbe im Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln

Weihbischof Johannes Wübbe hat am Heiligen Abend einen Wortgottesdienst im Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln der Niels-Stensen-Kliniken gefeiert. Dieser wurde wie jedes Jahr auch auf die Patientenzimmer übertragen. Der traditionelle Besuch des Weihbischofs an den Krankenbetten musste in diesem Jahr coronabedingt erneut entfallen.

Wübbe sagte im Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln, Gott setze mit der Menschwerdung seines Sohnes einen Akzent, der etwas Besonderes sei und einen Neuanfang bedeute, „einen Neuanfang auch in der Geschichte Gottes mit uns Menschen, der sogar Vergebung beinhaltet. Gott hätte allen Grund gehabt, sich von den Menschen abzuwenden, war es doch der Mensch, der immer wieder den Bund mit Gott durch Schuld und Vergehen belastet, gefährdet und gebrochen hatte.“ Doch Gott sei anders, er wolle keine Rache, so Wübbe: „Er möchte Vergebung und Neuanfang. Er zeigt gerade in seiner Geburt, wie sehr er den ewigen Zirkel von Ursache und Wirkung durchbrechen und den Menschen von den Konsequenzen früherer Handlungen befreien will. Dazu wird er Mensch. So macht die Menschwerdung Gottes ein Doppeltes präsent: es zeigt Gottes Liebe und seinen Willen zum Heil für den Menschen, zu einem Auskommen miteinander, wie es die Geburt eines Kindes uns auch heute nicht deutlicher zeigen kann.“

Solche Menschwerdung solle und dürfe „auch in uns werden“, unterstrich Wübbe. Denn im Wort Menschwerdung stecke das Wort 'werden'. „Dass wir nicht fertig sind, wissen wir kognitiv irgendwie alle und doch streben wir nach dem Gefühl 'fertig' zu sein, endlich an einen Punkt zu kommen, an dem alles gut ist. Aber ganz ehrlich: das wird nicht kommen. Es gibt immer wieder eine neue Wendung im menschlichen Leben, die einen neu an Grenzen und Unsicherheiten bringt, und die uns neu herausfordern. Das erleben wir doch nun seit der Coronazeit auf eine Art und Weise, die uns alIe herausfordert. Aber auch das fällt schwer zu akzeptieren, weil wir denken, wir haben immer alles im Griff.“

Mit Unsicherheiten und Herausforderungen zu leben, „die wir nicht in der Hand haben“, sei nicht leicht, erläuterte der Weihbischof, das erführen Menschen in Krankheit. „Und wir erleben, welche traurigen Mechanismen das auch in Gang setzten kann, die jenseits jeder Menschwerdung sind, wenn es zu wüsten Beschimpfungen kommt oder Gewalt bis zum Krieg erlebt werden muss.“ Doch auch dann gelte es, der Botschaft von der Menschwerdung Gottes zu trauen. Gerade in diesen Zeiten, wo sich die Türen nicht nur gegen Kälte und Dunkelheit, sondern auch gegen die Pandemie und ihre sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen verschlössen, brauchten wir die weihnachtliche Überzeugung, dass es sich lohnt, Menschen zu bleiben und noch mehr zu werden, „wie Gott uns in seiner Menschwerdung gezeigt hat: die einander sehen, helfen, und nicht die Solidarität verweigern, die gerade jetzt auf das setzen, was wir mit Weihnachten verbinden, an einander denken, keinen ausschließen und eine gute Zeit miteinander verbringen“.

Wie gut, dass das schon längst begonnen habe, betonte Wübbe: „Ich denke an Kinder einer Kindertagesstätte und an Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse, die mit ihrer Lehrerin hier in Osnabrück für die Pflegenden der Coronakranken Briefe geschrieben und Sachen gebastelt haben als Dankeschön für den anstrengenden Dienst. Ich denke an die vielen kleinen und großen Hilfsaktionen, die zupackende Hilfe, etwa im Ahrtal und in den anderen Gebieten, die von der Flutkatastrophe betroffen waren und immer noch sind. Ich denke an die, die gerade denen in diesen Tagen Menschen Danke sagen für Dinge, die sie Tag aus Tag ein wie selbstverständlich tun. Und ich möchte Danke sagen, dass hier Sie die Pflegenden wie Medizinerinnen und Mediziner, die in der Seelsorge unterwegs sind, die Sie hier an ganz verschiedenen Stellen dazu beitragen, dass Menschen betreut, gepflegt, behandelt werden, dass sie auf die Menschen zugehen, ihnen Nähe zeigen wie es sein kann und bis an die Grenzen ihrer Belastung gehen - und das schon über eine so lange Zeit.“

Ärztlicher Direktor Dr. Ludger Hillejan hatte zunächst den Weihbischof und alle Gottesdienstteilnehmer in der Kapelle sowie an den Bildschirmen begrüßt und einen kurzen Rückblick gehalten. Er erläuterte: „Als Verlierer der aktuellen Pandemie werden in den Medien immer zunächst die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsen genannt, die zum Beispiel auf einen geordneten Schul- oder Ausbildungsbetrieb und manches Weitere verzichten müssen. Das ist sicherlich richtig. Ich meine aber, es sind neben den vielen, die in unserer Gesellschaft am Rande stehen, insbesondere die Patienten.“ Ihre Sorgen und Belastungen seien unter der Pandemie extrem gewachsen: nicht nur durch den Dschungel an Auflagen, Testpflichten und Anordnungen, zusätzlichen Kosten, langen Wartezeiten, die viel Geduld erforderten. Es sei vor allem die soziale Isolation, keine oder eingeschränkte Besuche, Behandlung „auf Distanz“, die Erschwernisse der Gespräche aufgrund der Maskenpflicht und stets die Sorge, eine erforderliche Behandlung nicht oder nur verzögert zu erhalten oder sich im Krankenhaus mit dem Virus anzustecken.

Dennoch habe sich die „überwiegende Mehrheit unserer Patienten an Auflagen und Empfehlungen gehalten“, Ruhe bewahrt, vor allem auch Verständnis gezeigt und bei der Behandlung mitgeholfen. Und immer sei ein großes Vertrauen zu spüren. „Das hat auch uns geholfen und dies verdient ebenso eine besondere Anerkennung und ein herzliches Danke.“

Dr. Hillejan erinnerte daran, das geteilte Hoffnungen starke Hoffnungen seien: „Und daher wollen wir die Hoffnung auf eine baldige und möglichst vollständige Genesung mit Ihnen teilen.“

Rückblickend auf das zurückliegende Jahr hielt Dr. Hillejan fest: „Unsere Patienten wurden nicht nur zeitnah, sicher und qualitativ hochwertig medizinisch betreut, sondern auch menschlich umfassend umsorgt. Auch dafür ist unser Krankenhaus weit über die Region bestens bekannt, bei Patienten und zuweisenden Hausärzten sehr beliebt.“ Er dankte allen Beteiligten für ihr Engagement sowie ihren persönlichen Einsatz und sprach ihnen Lob und Anerkennung aus.

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