Besondere Art der Nächstenliebe

MHO - Marienhospital Osnabrück

Chefarzt Privatdozent Dr. Beiderlinden zur Organspende

Osnabrück. In Deutschland warten rund 11 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sterben rund 1 000 von ihnen jedes Jahr, ohne dass sie ein Organ erhalten. Im Jahr 2013 gab es nur noch 876 Spender – der niedrigste Wert seit Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997.

 

Privatdozent Dr. Martin Beiderlinden, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Osnabrück, hält es für wichtig, dass sich jeder eingehend mit dem Thema Organspende befasst: „Die Organspende nach dem Tod ist einzigartig unter den vielen Arten der Spende, weil der Spender das Gefühl, Linderung oder Leben gespendet zu haben, nicht erleben darf.“ Er handele also aus tiefster Überzeugung und völlig uneigennützig für andere notleidende Menschen. Der Empfänger dagegen sei seinem Spender ein Leben lang unendlich dankbar. Gerade bei herztransplantierten Patienten werde über die enge Verbundenheit mit ihren unbekannten Spendern berichtet.

 

Beiderlinden: „Nur wenige Menschen haben für sich entschieden, auf diese Art anderen Menschen helfen zu wollen. Dem Großteil der Patienten wird durch eine katastrophale Situation, zum Beispiel durch einen Unfall, die Entscheidungsfreiheit genommen.“ Sie seien dann so krank, dass sie nicht mehr nach ihrer Überzeugung gefragt würden und für sich entscheiden könnten. Die Angehörigen von potentiellen Organspendern seien von dem Ereignis überfordert. Es sei ihnen nahezu unmöglich, eine Entscheidung zur Organspende für ihren Angehörigen zu treffen. „Denn sie fürchten, verantwortlich für den Tod ihres geliebten Menschen zu sein.“

 

Deshalb sei es so bedeutend, sich über Organspende zu informieren, betont der Chefarzt: „Damit jeder einzelne die Entscheidung im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte trifft und nicht diese schwere Aufgabe seinen mit der Situation überforderten Angehörigen überlässt. Für uns als Mediziner ist es wichtig, über Organspende zu informieren, damit sich in der Bevölkerung nicht die Meinung festsetzt, dass diese besondere Art der Spende durch unangemessenes Verhalten einiger Weniger den uneigennützigen Wert dieser Spende zunichte macht. Die Organspende ist eine besondere Art der Nächstenliebe.“

 

Der Umgang mit dem Thema Organspende stelle eine der größten menschlichen und christlichen Herausforderungen in der Medizin dar und gehe an die Grenzen der psychischen Belastbarkeit aller im Behandlungsteam tätigen Mitarbeiter, unterstreicht Dr. Beiderlinden: „In keiner anderen medizinischen Situation liegen Leben und Tod, Leid und Freude so weit auseinander und nirgends sind sie doch so eng miteinander verknüpft. Als Christ versuche ich, das Leid der Angehörigen zu lindern, um dann, nach dem Tod des Patienten, mir die Frage zu stellen, wie ich anderes Leben mit meinem Engagement erhalten kann.“

 

Diese Brücke zwischen Leben und Tod vermag laut Dr. Beiderlinden die Organspende zu schlagen, in dem sie der Ausweglosigkeit und Irrationalität des tragischen Todes einen Sinn geben kann:  „Mein geliebter Mann, mein Kind ist tot, kann aber anderen Menschen Leben schenken. Dieser Gedanke treibt mich als Christ an und ist für viele Angehörige ein beruhigender trostspendender Gedanke.“

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