Akuten Verwirrtheitszuständen von Patienten im Krankenhaus auf der Spur

EKT - Elisabeth Krankenhaus Thuine

Niedersächsisches Modellprojekt Wegweiser Thuine geht am Elisabeth-Krankenhaus Thuine an den Start

Das Elisabeth-Krankenhaus Thuine hat ein wegweisendes Projekt gestartet, das es gemeinsam mit dem Land Niedersachsen und der AOK realisiert. Dabei geht es darum, akuten Verwirrtheitszuständen von Patienten im Krankenhaus auf die Spur zu kommen und ihnen mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen.

Das Thuiner Krankenhaus ist dafür ausgewählt worden, da es durch den ärztlichen Projektleiter Dr. Christian Prause (Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin) und sein Team sowie zwei eigens für das Projekt eingestellte Mitarbeiterinnen als sogenannte „Delirguides“ sowie die Station „Sankt Raphael“ für die Betreuung delirgefährdeter Menschen bestens aufgestellt ist.

In dem Projekt mit dem Namen „Wegweiser Thuine“ werden Patienten vor, während und nach der Operation optimiert begleitet, um zu vermeiden, dass es zu Verwirrtheitszuständen (Delir) mit Folgeerscheinungen wie zum Beispiel eine Verschlechterung der Hirnfunktion oder Stürzen im Krankenhaus kommt. In einer Testphase zeigte sich jeder dritte Patient anfällig für das Auftreten von einem Delir.

Das Konzept setzt eine Einwilligung der Patienten voraus. „Um ein Delir zu reduzieren oder zu vermeiden, möchten wir stärker mit regionaler Betäubung arbeiten, kombiniert mit einer konsequenten Überwachung und Begleitung des Patienten“, sagt Dr. Prause.

Ein weiterer Baustein ist die zusätzlich stattfindende pharmazeutische Visite mit einer Apothekerin der Niels-Stensen-Kliniken-Zentralapotheke am Franziskus-Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte. Sie ist einmal in der Woche zur Visite in Thuine und steht zudem dauerhaft ansprechbar zur Optimierung der Eigenmedikation der Patienten im Hinblick auf Unverträglichkeiten im Alter zur Verfügung.

Das Konzept „Wegweiser Thuine“ fokussiert zunächst ausschließlich operative Patienten der Kliniken von Chefarzt Prof. Dr. Dr. Thomas Carus (Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie) und Chefarzt Bernd Schmitz (Orthopädie, Endoprothetik und Unfallchirurgie) sowie der gynäkologischen Belegärzte Dietrich Beckmann und Dr. Frank Scharlach. Es bildet die Grundlage für einen Qualitätsvertrag mit der AOK Niedersachsen im Rahmen der Initiative zur Qualitätsförderung im Krankenhaus des Gemeinsamen Bundesausschuss.

„Primäres Ziel des Projektes soll es sein, nicht bereits diagnostizierte Patienten mit Demenz zu adressieren, sondern vorbeugend Patienten, bei denen die Möglichkeit eines Delirs besteht, zu erkennen und dieses durch begleitende Maßnahmen zu vermeiden oder eine Demenz in ihrem Verlauf nicht zu verschlechtern“, so Dr. Prause.

Zwei Mitarbeiterinnen sind als sogenannte „Delirguides“ den Patienten mit kognitiver Einschränkung zur Seite gestellt. Sie sind zugleich die Schnittstelle zwischen Patient und dem Stationsteam. Sie vermitteln Privatsphäre und Vertrauen. Die Delirguides bleiben feste Bezugspartner des Patienten – insbesondere in der Phase unmittelbar vor, während und nach der Operation. Sie sorgen sich darum, dass Hilfsmittel wie Brille, Hörgeräte oder Zahnprothese immer zur Verfügung stehen und dass möglichst wenige beunruhigende Faktoren auf diese Patienten einwirken. Zum Konzept gehört ebenso, dass in der Anästhesie bevorzugt regionalanästhesiologische Techniken wie rückenmarksnahe Verfahren oder periphere Nervenblockaden eingesetzt werden und auf Sedierung im Wesentlichen verzichtet wird. Wenn dies doch notwendig sein sollte, kommen moderne Substanzen mit dem am besten geeigneten Risikoprofil und eine Narkosetiefemessung zum Einsatz.

Das Projekt läuft gefördert bis 2022 und soll anschließend als feste Einrichtung der Niels-Stensen-Kliniken Elisabeth-Krankenhaus Thuine weitergeführt werden.

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