Niels Stensen: Arzt und Bischof

Als Niels Stensen 1638 in Kopenhagen geboren wird, kann niemand ahnen, dass er einmal als katholischer Bischof sterben wird. Denn zunächst wird er protestantisch erzogen, studiert Medizin und geht früh auf Reisen. Noch vor seiner Promotion entdeckt er, dass das Herz ein Muskel ist - eine bahnbrechende Erkenntnis. Durch seine Forschungen wird Stensen in ganz Europa berühmt und erhält eine Anstellung als Leibarzt des Großherzogs von Florenz.

Die Wissenschaft ist jedoch nur die eine Seite Stensens. Er ist ein tiefgläubiger Mensch und aufgeschlossen für die Theologie und religiöse Praktiken. In Italien lernt er die katholische Kirche besser kennen und Menschen, die ihn überzeugen. 1667 tritt Niels Stensen zur katholischen Kirche über. Immer mehr kreisen seine Gedanken um Gott und den Glauben, so dass sein Leben eine Wendung nimmt: Vom Heiler des Körpers wird Niels Stensen zum Heiler der Seele. 1675 bittet er um die Priesterweihe und schon zwei Jahre später wird er Bischof. Passend zu seiner Herkunft dient er als "Apostolischer Vikar in den nordischen Missionen". Damit ist er zuständig für beinahe ganz Nordwestdeutschland, Dänemark und Norwegen.

1679 wechselt Niels Stensen als Weihbischof nach Münster. Er lebt sehr bescheiden und müht sich um die Armen. Freunde macht er sich mit dieser konsequenten Haltung nicht. Stensen muss Münster verlassen. Nach einer Zwischenstation in Hamburg geht er nach Schwerin, wo er 1686 im Alter von 48 Jahren stirbt.

Niels Stensen wird lange vergessen. Erst in unserer Zeit entdeckt die Kirche den Arzt und Theologen, der Wissenschaft, Seelsorge und den ökumenischen Gedanken in seiner Person verbindet, wieder. 1988 spricht Papst Johannes Paul II. den nordischen Christen selig.