Kinaesthetics in der Pflege

 

Kinesis: Bewegung          Aesthesis: Wahrnehmung

Die eigene Bewegung ist der Ursprung unseres Handelns. Dabei werden unsere Lern-, Kommunikations- und Gesundheitsprozesse unmittelbar von unseren Bewegungsmöglichkeiten, der Qualität der eigenen Bewegung, bestimmt. Mit Kinaesthetics können wir Bewegungen gezielt nutzen und neue Möglichkeiten entdecken bzw. ausbauen.

Kinaesthetics wurde von Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch begründet. Dr. Lenny Maietta ist klinische Psychologin und hat in ihrer Doktorarbeit den Einfluss der Berührungs- und Bewegungsfähigkeiten von Eltern im Umgang mit ihren Babys untersucht. Dr. Frank Hatch hat Modern Dance studiert und arbeitete als Choreograph an mehreren Universitäten in den USA. Er promovierte in Verhaltenskybernetik. Die Ideen der Kinaesthetics sind neben der Arbeit von Maietta und Hatch vor allem beeinflusst durch die Arbeiten von Moshe Feldenkrais und Erich Blechschmidt, aus Erkenntnissen der Verhaltenskybernetik und der humanistischen Psychologie.



Kinaesthetics in der Pflege ermöglicht gezielte und professionelle Hilfe zur Selbsthilfe

Einen anderen Menschen in seiner eigenen Bewegung so zu unterstützen, dass dieser, entsprechend seiner Möglichkeiten, aktiv beteiligt ist, bildet die Grundlage pflegerischen Handelns. Ein solches Handeln ermöglicht gesundheitsfördernde Verhaltens- und Bewegungsmuster zu lernen. Diese Ideen gelten sowohl für die Pflegenden wie auch für den gepflegten Menschen. Pflegende lernen Grundsätze, welche es ihnen ermöglichen, die eigene Bewegung und den eigenen Körper zur gezielten Unterstützung und Führung der Bewegung des Patienten zu nutzen. Der Patient erlebt sich in der Pflegehandlung wirksam und kann den Bewegungsablauf selbst kontrollieren. Dadurch wird er in der Erhaltung und Entwicklung der grundlegenden menschlichen Funktion unterstützt. Er ist aktiv an seinem Gesundheitsprozess beteiligt.

 

Pflege als professionelles Helfen

Pflegen heißt den Menschen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens wie Atmen, Essen, Trinken, Verdauen und Ausscheiden, in einer Position sein oder Fortbewegen usw. zu helfen. Durch die aktive Gestaltung der Selbstkontrolle des Patienten erhält “Helfen” eine neue professionelle Bedeutung. Pflegende lernen, jede pflegerische Tätigkeit so zu gestalten, dass sie diese zusammen mit dem Patienten ausführen. Die Pflegenden heben den Patienten nicht aus dem Stuhl. Sie lernen vielmehr die anatomischen Strukturen so einzusetzen, wie es der Patient selbst tun würde, dadurch schonen sie ihren eigenen Bewegungsapparat und beugen frühzeitigem Verschleiß und Verletzungen vor. Ihre kommunikativen Fähigkeiten durch Berührung und Bewegung ermöglichen, dass die Ressourcen und Gegebenheiten des Patienten optimal berücksichtigt und unterstützt werden.
Professionell Pflegende, Therapeuten und Betreuer sowie pflegende Angehörige benötigen eine hohe Bewegungskompetenz, um den anderen Menschen aktiv zu beteiligen und das Wiedererlernen von Funktionen zu fördern.

 


Das Kinaesthetics Lernmodell bietet eine Möglichkeit, diese Kompetenzen zu erwerben

Kinaesthetics ist weder eine Technik noch schnell erlernbar, sondern ein Lern- und Denkmodell, dass die Interaktion von Erwachsenen und Kindern über Berührung und Bewegung unterstützt. Die grundlegenden Prinzipien der Kinaesthetics in der Pflege werden im MHO seit Januar 2001, der Kinaesthetics Infant Handling seit Oktober 2005 in Grundkurslernphasen vermittelt. Seit 2006 werden zur Vertiefung der Inhalte Aufbaukurslernphasen angeboten. Die Lernphasen sind so gestaltet, das die Teilnehmer einen individuell geplanten und begleiteten Lern- und Entwicklungsprozess erfahren.
Die MH Kinaestheticstrainer unterstützen und beraten die Pflegenden, die Patienten und deren Angehörigen in der alltäglichen praktischen Arbeit. Zudem unterstützen die Trainer den Lern- und Ausbildungsprozess der Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflegeschüler. Die an der Pflegehandlung beteiligten Personen sind dadurch in der Lage, Aktivitäten so zu unterstützen oder zu übernehmen, dass die betroffene Person über die Selbstkontrolle des Geschehens verfügt.

 

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