SPES VIVA – Leitbild und Herausforderung
Der große Fisch in der Bibelerzählung über den Propheten Jona ist Zeichen und Signet für SPES VIVA. Wie Jona nach drei Tagen aus dem Bauch des Wales gerettet wurde und wie Jesus nach drei Tagen den Tod überwand, so dürfen auch wir in „lebendiger Hoffnung“ sein.

SPES VIVA ist Leitwort und Aufruf einer palliativmedizinischen Initiative zur Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Krankenhauspatienten sowie ihren Angehörigen, denen wir schützende (lat. „Pallium"= Mantel) Zuwendung und Hilfe bieten.
Auf unserer wohnlich eingerichteten SPES VIVA Palliativstation können Patienten und Angehörige Tag und Nacht beisammen sein. Hier gibt es Raum für Gespräche, miteinander und mit uns. So bieten wir „rooming in“ am Ende des Lebens und „Raum für Gefühle". Der Leitgedanke, dass der Tod zum Leben gehört, wurde bereits im Rahmen der 1994 in den Klinikbereich integrierten Wohneinheiten, räumlich wie ideell mitten im Stationsleben zentriert, erfahrbar.

Neben Zeit und Herz stellen wir ein kompetent geschultes und multiprofessionelles Team aus Medizin, Pflege, Seelsorge, Sozialarbeit, Physiotherapie und anderen Berufsgruppen dar. Dazu zählen nicht zuletzt unsere rund 50 ehrenamtlich und ambulant arbeitenden Hospizhelfer/innen. Unsere fachliche Qualifikation stützt sich auf ein wissenschaftlich gesichertes multimodales Schmerztherapie- bzw. Palliativ-Pflegekonzept. Hierbei nimmt die Symptomkontrolle eine zentrale Rolle ein.
Wir wollen durch unseren Dienst bezeugen, dass für uns Sterbebegleitung Lebenshilfe in der letzten Phase ist. Wir sind dem Leidenden Weggefährte und stimmen unsere Arbeit auf seine Nöte und Bedürfnisse ab.
Wir schließen Angehörige und Freunde in die Begleitung mit ein und unterstützen nach dem Tod ihren Trauerprozess. Dies auch im Rahmen regelmäßig angebotener meditativer Gottesdienste mit anschließendem Beisammensein sowie einem Gruppenangebot für Trauernde zweimal monatlich. Außerdem kümmert sich ein Team von ehrenamtlichen SPES VIVA-Mitarbeiterinnen um junge Mütter, die in der Schwangerschaft schon ihr Kind verlieren. Es wird für eine würdevolle orts- und zeitnahe Beerdigung des auch nur wenige Wochen alten Kindes gesorgt.
Am Start befindet sich unser neues Projekt „ SPES VIVA Trauerland“, ein Zentrum zur Betreuung trauernder Kinder und Jugendlicher für die Region Osnabrück mit einem eigenen Gebäude und mit dafür besonders geschulten professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeitern.
SPES VIVA engagiert sich weiter überörtlich. So haben inzwischen elf weitere Krankenhäuser unser Modell (inkl. unseres Logos) übernommen (im Bereich der Niels-Stensen-Kliniken das Franziskus-Hospital Harderberg Georgsmarienhütte und das Christliche Klinikum Melle). Unsere Infobroschüren sind bundesweit angefragt, zuletzt die nach aktuellem Gesetzesstand überarbeitete Vorlage einer Patientenverfügung. SPES VIVA organisiert federführend den niedersächsischen Hospiz- und Palliativstützpunkt Osnabrück e.V. und hat unter der Leitung von Prof. Hardinghaus 2009 die vom Land Niedersachsen eingerichtete Niedersächsische Koordinierungs- und Beratungsstelle für Hospizarbeit und Palliativversorgung mit Sitz beim Landkreis Osnabrück übernommen - dabei zuletzt auch die Landeskoordination beim Abschluss des Mustervertrages zwischen Leistungserbringern und Krankenkassen zur Spezialisierten ambulantern Palliativversorgung – SAPV.
Zusammen mit dem gemeinsamen Fachbereich Palliativversorgung an der Universität konnte der Deutsche Palliativtag 2006 in Osnabrück organisiert werden.
Wir werden ideell und finanziell unterstützt durch den Förderverein SPES VIVA ( 1. Vorsitzender Dr. Reinhold Kassing ) und der Stiftung SPES VIVA ( 1. Vorsitzernder Friedhelm Spiekermann ).
Das SPES VIVA-Leitbild ist mitgeprägt durch Euthanasie – Debatten in Deutschland und den westlichen Nachbarländern. So stellen wir uns vorsätzlich gegen jede Form von aktiver Sterbehilfe und etwaiger Liberalisierungsversuche. Wir wollen ein Sterben an der Hand und nicht durch die Hand eines Helfers.

Um in Würde sterben zu können, braucht der Patient vor einem Verlust von Selbstbestimmung keine Angst zu haben. Wenn er eine Behandlung, auch mutmaßlich, ablehnt, dann wird sie nicht durchgeführt. Andererseits geben wir ihm so umfassend wie möglich die Gelegenheit, sich mit seiner Endlichkeit auseinandersetzen, Fragen zu stellen, Abschied zu nehmen oder loszulassen.
Voraussetzung für eine gelingende Kommunikation mit den Betroffenen ist indes unsere eigene reflektierte Weltanschauung und damit verbunden auch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod.
Vorrangig vor notwendigen modernen Managementaufgaben, gewichtiger als äußere Anerkennung, z. B. auch durch namhafte bundesweite Auszeichnungen, bleibt uns die unmittelbare Beziehung zum Patienten selbst oberstes Ziel. Denn wir lernen jeden Tag aufs Neue, dass nicht nur das Heilen von Krankheiten, sondern auch allein das Begleiten eine wundervolle und vor allem christliche Aufgabe der Nächstenliebe ist.
Jedenfalls bleibt Kierkegards kniender Helfer Vorbild und Leitbild für unser SPES VIVA - „Dienst“Verständnis:
„Jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einem Herablassen anfangen. Der Helfer muss zuerst knien vor dem, dem er helfen möchte. Er muss begreifen, dass helfen nicht herrschen ist, sondern dienen.“
Für das Mitarbeiterteam:
Prof. Dr. med. Winfried Hardinghaus








