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Das hintere Kreuzband

Allgemein

Hinter dem vorderen Kreuzband erscheint das hintere Kreuzband (PCL, engl. posterior cruciate ligament). Es kreuzt das vordere Kreuzband in einem Winkel von ca. 90° bei gebeugtem Knie. Es ist kräftiger und stellt insgesamt die kräftigste Bänder (ligamentäre) -Struktur des Kniegelenks dar. Es ist im hinteren Bereich des Areals zwischen den Gelenkknorren des Oberschenkelknochens am Schienbeinkopf, jedoch nicht wie das vordere Kreuzband auf dem tibialen Plateau, sondern an der Hinterkante (ca. 10 mm unterhalb der Gelenkflächen beginnend) fixiert. Der Fixpunkt des Schienbeins liegt somit weit hinter den Hinterhörnern des Innen- und Außenmeniskus. Das Band zieht von hinten-unten-außen nach vorne-oben-innen in die ganze Tiefe der Grube zwischen den Gelenkknorren des Oberschenkelknochens. Es inseriert dort am inneren Bereich der Knorpel-Knochen-Grenze des äußeren Gelenkknorrens. Bei einem 90° gebeugten Knie könnte man, von innen schauend, die fächerförmige Insertion von 12 Uhr bis 4 oder 5 Uhr sehen.
Eine Mitverletzung des PCL tritt nach neuesten Erkenntnissen wesentlich häufiger auf, als bislang angenommen. Man weiß mittlerweile, dass bei schweren Knieverletzungen das hintere Kreuzband als wichtiger Kniestabilisator in fast 40% mitbeteiligt ist. Eine genaue Diagnostik ist der Schlüssel zur hinteren Kreuzbandverletzung. In der Amerikanischen Literatur findet man als Ursache der hinteren Kreuzbandverletzung in 56,5% der Fälle ein Trauma und in 32,9% bis zu 50% eine Sportverletzung.

Am Anfang steht die klinischen Untersuchung, wobei der detaillierten Anamnese hinsichtlich des Unfallmechanismus große Bedeutung zukommt. In manchen Fällen erkennt man eine HKB-Verletzung, wenn bei gebeugtem Knie der Unterschenkel nach hinten fällt. Aus diesem Grund sollte bei chronischen Verletzungen die Diagnose, die schwierig sein kann, nicht mittels einer Arthroskopie gestellt werden. Der nach hinten fallende Unterschenkel lässt das vordere Kreuzband als gelockert erscheinen. Dies kann in seltenen Fällen zu der falschen Diagnose einer vorderen Kreuzbandruptur führen. Die Röntgenuntersuchung ist Basisdiagnostik. Diese gibt bei chronischen Instabilitäten auch Aufschluss über Achsfehlstellung und degenerative Veränderungen. Bei klinischem Verdacht auf das Vorliegen eines Kniebinnenschadens sollte eine MRT angeschlossen werden, um eine möglichst hohe diagnostische Sicherheit zu erreichen. Dies gilt in besonderem Maße für die peripheren Strukturen. 

 

Behandlung

Grundsätzlich sind bei der Diagnostik und Therapie der PCL-Läsion akute und chronische Verletzungen zu unterscheiden. Durch die große Heilungstendenz werden isolierte Verletzungen in aller Regel konservativ behandelt. Um die Indikation zum operativen Vorgehen zu stellen, muss eine genaue Diagnostik mit Einteilung der Läsion erfolgen. Die Frage ist, welche Begleitverletzungen vorliegen. Knöcherne Ausrisse mit Fehlstellung stellen in der Regel eine operative Indikation dar. Dagegen können Ausrisse ohne Fehlstellung konservativ behandelt werden. Bei chronischen hinteren Instabilitäten ist die genaue Diagnostik Grundlage für eine gute Therapie. Geringgradige hintere Instabilitäten können gut konservativ behandelt werden. Demgegenüber sollte bei mittelgradigen Auslenkungen und bei entsprechender Symptomatik eine operative Rekonstruktion vorgenommen werden. Bei kombinierten Verletzungen müssen die äußeren, geschädigten Strukturen mitbehandelt werden. Gleiches gilt für höhergradige hinteren Instabilitäten.
Als Transplantate stehen die Oberschenkelsehne, die Kniescheibensehne und die Quadrizepssehne zur Verfügung. Neben der Transplantatwahl sind die Bohrkanallage und die geeignete Fixationsmethode für den Erfolg entscheidend. Auch die Nachbehandlung nach hinteren Kreuzbandoperationen ist extrem wichtig und langwierig.

 

 

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Priv.-Doz. Dr. Olaf Rolf
Chefarzt

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, spezielle operative Orthopädie

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