03.04.2014: Ruanda 2013

Meine große Aufregende Reise nach Afrika ging in den Herbstferien 2013 los.

Geplant waren zwei Wochen Aufenthalt in Ruanda. Mit 12 weiteren Bekannten im Alter von 18-64 Jahren machten wir uns auf die lange spannende Reise. Wir besuchten dort unsere Partnergemeinde Nyundo. Diese Partnerschaft besteht schon seit über 30 Jahren. Unsere Reise begann in Münster, von da aus ging es mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen. Wir hatten alle zwei großen Koffer dabei, einen für unsere Sachen und einen voll mit Kleidung für Erwachsene und Kinder, Verbandsmaterial, Spielsachen und Musikinstrumente. All die Dinge die in Ruanda nicht selbstverständlich sind aber dort gebraucht werden.

Ankunft im Gesundheitszentrum

Nach ca. 17 Stunden Flug und Aufenthalt in Addis Abeba, hatten wir Ruandas Hauptstadt Kigali erreicht. Dort wurden wir Herzlich empfangen von Adrienne und Cloude. Die beiden arbeiten für unsere Partnergemeinschaft und begleiteten uns die kompletten zwei Wochen. Wir machten uns dann auf dem Weg nach Gisenyi, wo wir die erste Woche verbrachten. Das war ca. eine Strecke von 100km, aber durch die Straßen Verhältnisse brauchten wir drei Stunden mit dem Taxi. Wir lebten dort in einem Hostel, in einem 12 Bett Zimmer. Nach einer Anreise von ca. 30 Stunden dann der große Schock, es gab kein fließend Wasser im Hostel. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie wir die zwei Wochen aushalten sollen, mit kaltem Wasser aus Eimern zu Duschen. Das war auch gar nicht so einfach vor allem nicht mit langen Haaren. Aber wir gewöhnten uns schnell dran und bei der ersten Dusche haben wir viel gelacht und hatten viel Spaß. In der ersten Woche haben wir viele verschiede Einrichtungen besucht, wie z.B. eine Grundschule, Mädcheninternat, Waisenhaus, Witweneinrichtungen, Sonntagsgottesdienst von fünf Stunden und eine Gesundheitsstation.

Arbeitstisch
Vorbereiten von Verbandkompressen

Über diese Station möchte ich euch etwas mehr erzählen. In Ruanda gibt es nicht in jedem kleinen Dorf eine Gesundheitsstation sondern nur in den etwas größeren Dörfern. Ein richtiges Krankenhaus gibt es nur in den großen Städten. Rettungswagen oder Notärztliche Behandlungen wie wir das kennen, schnell anrufen und innerhalt kürzester Zeit ist Hilfe da, gibt es in Ruanda gar nicht. Diese Station die wir besucht haben hatte auch eine neugeborene Station, auch dies ist keine Selbstverständlichkeit. Die Station hatte ein Behandlungszimmer, ein Wartezimmer, ein Raum mit fünf Betten für die Patienten die „Stationär“ bleiben müssen. Für die neugeborene Station standen zwei Zimmer mit jeweils zwei Betten und ein Entbindungszimmer zur Verfügung. An dem Morgen wo wir die Station besucht hatten, war ein neugeborenes in der Nacht zuvor geboren. Die Mutter hatte keinerlei Berührungsängste und drücke uns ihren Sohn direkt in die Arme. Der kleine war noch total verschmiert mit Blut und Schleim. Er war in dem Rock seiner Mutter eingerollt und hatte selbst keine Babysachen, dafür hatte die Mutter kein Geld. Auf die Nachfrage wie der kleine heißt, hatte Adrienne uns erklärt das die Babys in Ruanda meist erst nach sieben Tagen einen Namen bekommen, da vorher das Risiko am plötzlichen Kindstod noch größer ist. Das zuhören war schon komisch, dass wenn der kleine es nicht schafft wird er einfach Anonym ohne Namen begraben, als wäre er nie dagewesen. Wir schenkten der Mutter Baby strampler die wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Sie hat sich total gefreut und bedankte sich mehrfach bei uns. Dann schauten wir uns mal das Entbindungszimmer an, dort stand noch die Nachgeburt von dem Kleinen unter dem Gynäkologischen Stuhl dieser war sehr alt wie man auf dem zugefügten Bild auch erkennen kann, es stank daher sehr stark in dem Raum, die Wände waren Braun gestrichten wahrscheinlich damit man die Flecken nicht sehen kann und es war sehr klein mit mehr als drei vier Leute passten auch nicht hinein. Aber die Schwestern waren sehr stolz auf dieses Zimmer und wunderten sich über unsere Reaktion. Im Nebenzimmer stand ein alter Brutkasten mit Rost übersäht, aber dieser war für viele Babys schon zum Lebensretter geworden.

Eine Mutter mit ihrem Neugeborenen

Wir schauten uns auch das stationäre Krankenzimmer an. Es war ein Raum mit fünf Betten, drei davon waren belegt. Zwei kleiner Kinder und ein 12 Jähriges Mädchen, auch Ihnen schenkten wir Kleidung. Um überhaupt von dieser Krankenstation behandelt zu werden, muss man eine sogenannte „Krankenversicherung“ abschließen. In Ruanda ist das etwas anders, da schließt man diese Versicherung mit der jeweiligen Gesundheitsstation ab, diese kostet dann für ein Jahr umgerechnet ca. 1,60€, man kann dann jederzeit von dieser behandelt werden aber nur von dieser und nicht von anderen in einem anderen Ort. Auch wenn sich das für uns jetzt wenig anhört, können sich viele dies nicht leisten, da die Familien dort meist mehr als vier Kinder haben. Auch die Versorgung ist in Ruanda anders geregelt, wenn wir in ein Krankenhaus müssen bekommen wir viermal am Tag etwas zu essen und jederzeit etwas zu trinken. In Ruanda musst du dich selbst versorgen, da musst du dich auf die Familie verlassen die den weiten Weg auf sich nehmen um dir Essen zu bringen. Seit neusten bekommt man für jede durchgeführte  „Kinder U-Untersuchung“ einen Stempel und wenn alle „U-Untersuchung fürs Kind“ durchgeführt wurden, bekommt man ein Regenschirm geschenkt. Die Ärzte erhoffen sich hiervon eine höhere Teilnahme an den Untersuchungen. Außerdem sollen so die Kinder alle Impfungen bekommen, damit die Zahl der Kinderkrankheiten und deren Folgen sinken. Da wurde uns erst einmal klar was wir für ein Luxus in Deutschland haben. Wir beschweren uns hier schon bei 20Min Wartezeit und die Menschen dort laufen erstmal vier fünf Stunden zu Ihrer Gesundheitsstation und müssen dann auch noch wieder auf einen Arzt warten. Mit diesen vielen Eindrücken fuhren wir wieder zurück zu unserem Hostel.

Ein gynäkologischer Stuhl
Auf der Krankenstation

In der zweiten Woche fuhren wir nach Kigali, dort machten wir mehr Sightseeing, guckten uns die Stadt, Wochenmärkte, Denkmäler an und besuchten einen Safaripark.

Mit vielen verschieden berührenden Eindrücken flogen wir nach zwei Wochen wieder nach Deutschland zurück. Ich habe durch diese Reise viel gelernt und einige Ansichten und auch mein Verhalten in vielen Dingen überdacht und geändert.

Das war ein kleiner Einblick in mein großes Abendteuer!

Tessa mit einem afrikanischen Kind auf dem Arm

 

 

 

 

 

Tessa Mühlenstrodt OTA-Kurs 12-15